Polizeigewalt in Frankfurt?

Video zeigt, wie Polizist auf am Boden Liegenden eintritt

18. August 2020 - 8:46 Uhr

Interne Ermittlungen gegen Polizeibeamte nach Gewalt-Video aus Frankfurt

Es sind Bilder, die im Netz für heftige Kritik sorgen: Zwei Polizisten halten bei einem Einsatz im Frankfurter Kneipenviertel Sachsenhausen einen Verdächtigen fest, der am Boden liegt. Einer der Beamten holt dann mit dem Knie aus und tritt dem Mann mit voller Wucht in den Rücken. Es sind auch Schläge gegen den Kopf des Mannes zu sehen. Nun wird gegen die Beamten intern ermittelt. Dabei geht es um den Vorwurf von Polizeibrutalität bei einer Festnahme. Die Aufnahmen aus Frankfurt sehen Sie im Video.

29-Jähriger in Sachsenhausen festgenommen

Nach Angaben der Polizei hatten die Polizisten einer alkoholisierten Gruppe einen Platzverweis erteilt, zu der auch ein später festgenommener 29 Jahre alter Mann gehörte. Er sei "zu Boden gebracht" und sein Widerstand gebrochen worden, so die Polizei.

Ein in sozialen Netzwerken kursierendes Handy-Video zeigt Tritte und Schläge. Es soll "zu unzulässiger Gewaltanwendung seitens der Polizeibeamten gegen den am Boden liegenden Tatverdächtigen gekommen sein", hieß es in der Polizeimitteilung über den Vorfall. In dieser Phase habe sich der Einsatzleiter eingeschaltet, einen Polizeibeamten zur Seite genommen und den Vorfall später intern gemeldet. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft habe Kenntnis von dem Vorfall, hieß es.

Linken-Politiker Hermann Schaus "fassungslos"

"Eine am Boden liegende und fixierte Person zu treten, ist durch nichts zu rechtfertigen", sagte Hermann Schaus, der innenpolitische Sprecher der Linken im Hessischen Landtag. "Dass bei der Szene nur zwei von etwa 20 der anwesenden Polizeibeamtinnen und - beamten dagegen einschreiten, oder kritisierende Beobachter der Szene angreifen und durch den Einsatz von Pfefferspray zu vertreiben versuchen, macht mich fassungslos."

Schaus forderte Innenminister Peter Beuth (CDU) auf, noch am Donnerstag im Innenausschuss umfassend zu berichten, welche Maßnahmen von ihm eingeleitet wurden. Vor dem Hintergrund der Debatte um strukturellen Behörden-Rassismus und die NSU-2.0-Drohschreiben sei das Video ein weiterer Hinweis auf "massive Behördenprobleme im Bereich des Inneren." Am Wochenende hatte auch ein Video aus Düsseldorf für Schlagzeilen gesorgt, in dem ein gewaltsamer Einsatz gegen einen ebenfalls bereits am Boden fixierten 15-Jährigen zu sehen ist.