Polizeieinsatz beim G20-Gipfel: Einsatzleiter zeigt erschreckende Szenen der Gewalt gegen die Polizei

20. Juli 2017 - 11:45 Uhr

Sicherheitsbehörden hätten alles Menschenmögliche getan

Nach den gewaltreichen Tagen des G20-Gipfels hat die Polizei in einer Pressekonferenz eine erste Bilanz ihres Polizeieinsatzes gezogen. Während der Konferenz mit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und G20-Einsatzleiter Hartmut Dudde betonten die Sicherheitsbehörden, alles Menschenmögliche an Vorkehrungen für den Gipfel getroffen zu haben. Trotzdem seien sie von der Brutalität der Proteste überrascht worden. Man habe es "mit skrupellosen Gewaltakten von Kriminellen" zu tun gehabt, "die wir in dieser konkreten Form nicht an jeder Stelle vorhergesehen haben. Und die - glaube ich - auch niemand vorhersehen konnte", sagte Innensenator Andy Grote.

Hamburgs Polizeipräsident macht der Justiz Vorwürfe

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) spricht am 09.07.2017 in Hamburg bei einer Pressekonferenz zur Bilanz des G20-Gipfels im Polizeipräsidium. Foto: Christian Charisius/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bei der Pressekonferenz.
© dpa, Christian Charisius, chc

Auch Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer zog eine gemischte Bilanz des Polizei-Einsatzes zum G20-Gipfel. Einerseits sei er stolz, dass es bei dem bisher größten Einsatz der Hamburger Polizei gelungen sei, die Sicherheit des Treffens "mit den zahlreichen Störversuchen" bis zum Schluss zu gewährleisten, sagte er. Ihn bedrücke aber, dass es nicht gelungen sei, Verletzungen der Einsatzkräfte zu vermeiden und den Schutz des Eigentums der Hamburger Bürger umfassend zu gewährleisten. 476 von 20.000 eingesetzten Kollegen der Polizei wurden verletzt. Viele Demonstranten hätten offenbar in einer "Partylaune" Flaschen auf Polizeibeamte geworfen, Geschäfte zerstört und geplündert, sagte Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz. "Das ist eine Verrohung, die ich völlig inakzeptabel finde, und gegen die wir uns gemeinsam stellen sollten." Es werde sogar wegen versuchten Totschlags eines Polizisten ermittelt.

Vorwürfe gegenüber der Justiz

Bereits vor dem G20-Gipfel habe es einen juristischen Streit um Übernachtungscamps für G20-Kritiker gegeben: Polizeipräsident Ralf Martin Meyer habe die Polizei die Justiz vor dem G20-Gipfel vor der Gefahr linksparteiischer Protestcamps rund um den Gipfel gewarnt, allerdings ohne Erfolg. Für die Polizei sei es wichtig gewesen, "keine Schlafstätten für militante Extremisten" in Hamburg zu haben, das sei letztlich aber nicht gelungen. Es sei schwierig, wenn "Täter ohne Bezug zum Gipfel" an unterschiedlichen Stellen der Stadt in einer "Kleingruppentaktik" agierten, sagte Meyer.

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G20-Einsatzleiter Harmut Dudde zeigt Szenen der Gewalt gegen die Polizei

Viele Demonstranten - unter anderem Mitglieder des schwarzen Blocks -  sind so gewaltbereit auf die Polizei losgegangen, dass selbst erfahrene Einsatzkräfte fassungslos waren. Um diese Gewaltbereitschaft zu verdeutlichen, zeigte G20-Einsatzleiter Hartmut Dudde während der Pressekonferenz Ausschnitte der Polizeiarbeit gegen den 'schwarzen Block':

Darüber hinaus zeigte er anhand weiterer Beispiele, wie organisiert die Demonstranten gegen die Polizei vorgegangen ist und wieso es teilweise zu "lebensbedrohlichen Eingriffen" während des Einsatzes für die Polizei kam:

Maßnahmen beim G20-Gipfel

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in Hamburg wurden bisher insgesamt 37 Haftbefehle gegen Verdächtige erwirkt. Den Angaben zufolge wurden insgesamt 476 Beamte verletzt. 186 Demonstranten wurden festgenommen, 252 wurden in Gewahrsam geworden. Derartige Zahlen habe es seit der gewaltsamen Demonstration in Hamburg am 21.12.2013 nicht mehr gegeben.

Bürgermeister Olaf Scholz erkennt trotz allem die Wichtigkeit des G20-Gipfels an

Trotz der teilweise unkontrollierbaren Lage in Hamburg betonte Bürgermeister Scholz zum Ende der Pressekonferenz nochmal, wie wichtig derartige Gipfel seien und das man diese nicht wegen gewaltbereiter Gruppierungen unterlassen könne. Zugleich untersich er noch einmal seine Anerkennung gegenüber der geleisteten Polizeiarbeit. "Ich will ausdrücklich sagen, dass ich nicht verstehen kann, wenn jetzt oder in den nächsten Tagen die wirklich heldenhafte Tätigkeit der Polizei kritisiert wird. Die haben große Arbeit geleistet und verdienen unsere Unterstützung und sollten sie auch bekommen". so Scholz. "Viele sind sehr erschrocken, ich bin es auch. Das darf doch nicht sein, solche Dinge dürfen doch in unserem Hamburg nicht vorkommen."