Polizei entsetzt über Ausschreitungen von Stuttgart

„Wir brauchen eine Solidarität gegen Hass und Gewalt"

Radek

22. Juni 2020 - 13:38 Uhr

Polizeigewerkschaft fordert nach Krawalle in Stuttgart mehr Unterstützung von der Politik

Nach der Krawallnacht von Stuttgart herrscht Entsetzen über das Ausmaß der Gewalt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert als Konsequenz mehr Rückhalt von der Politik. Ihr Vize-Chef Jörg Radek sagte im Interview mit RTL und ntv: "Wir müssen feststellen, dass wir uns in einem gesellschaftlichen Reizklima befinden. Wir haben Hygienedemos, die stellen die Polizei in ihrer Präsenz infrage. Wir haben auch politische Aussagen, die das polizeiliche Handeln hinterfragen."

Polizeibeamte in Stuttgart nach Angriffen "wütend und empört"

Weiter sagte Radek: "Politik muss jetzt eins tun: Sie muss der Polizei den Rücken stärken und nicht in den Rücken fallen." Er appellierte: "Wir brauchen eine Solidarität gegen Hass und Gewalt. Nicht nur gegenüber der Polizei, auch gegenüber Feuerwehr und Rettungsdienst. Und wir brauchen jetzt Strafen, die das Strafmaß ausnutzen und dass wir das wirklich umsetzen, dass hier eine Strafe auf dem Fuße erfolgt."

Die Beamten vor Ort seien wütend und empört, sagte er. "Weil wir einen Ausbruch von Gewalt erlebt haben, der aus dem Nichts kam. Eine Zusammenrottung anlässlich einer Personenkontrolle, darauf kann man sich schlecht vorbereiten, da muss man sehr sensibel vorgehen und jetzt erleben wir, dass die Polizisten einer Gewalt ausgesetzt worden sind, der sie so in Stuttgart noch nicht gekannt haben."

GdP-Landeschef fordert Alkoholverbot und Ausgangssperre

News Bilder des Tages  Aufräumarbeiten nach Randale in der Stuttgarter Innenstadt. Rund 500 Menschen haben sich in der Nacht zum Sonntag zusammengerottet, Schaufenster zerstört und geplündert. Schwerpunkte waren die Marienstraße und die Fußgängerzone
Aufräumarbeiten nach Randale in der Stuttgarter Innenstadt.
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Der baden-württembergische GdP-Landeschef Ralf Kusterer fordert von der Stadt Stuttgart ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen. Auch eine Sperrstunde zum Beispiel zwischen 3.00 und 7.00 Uhr morgens müsse diskutiert werden. "Die Polizei hat nachts überhaupt keine Ruhe mehr, bevor es morgens wieder losgeht. Es läuft rund um die Uhr durch", so Kusterer.

Vor allem jüngere Menschen hätten Hemmungen verloren, weil die Polizei in den vergangenen Wochen unter anderem in der politischen Debatte zum Feindbild stilisiert worden sei.

Kusterer erneuerte in diesem Zusammenhang seine Vorwürfe gegen SPD und Grüne. Die pauschale Verunglimpfung und Verunsicherung der Polizei habe zu der Enthemmung beigetragen, sagte er. "Wenn die Politik ihre eigene durchsetzende Gewalt und die der Polizei öffentlich schwächt, schwächt sie ihre und die gesellschaftlichen Regeln und Normen gleich mit", kritisierte er.