Protest gegen Waldrodung

Polizei räumt Barrikaden im Dannenröder Forst

Proteste im Dannenröder Forst
© dpa, Boris Roessler, brx abl

16. September 2020 - 13:56 Uhr

Rettungswege und Zufahrten räumen

Seit dem Morgen haben mehrere Dutzend Einsatzkräfte der Polizei damit begonnen, im Dannenröder Forst Barrikaden von Rettungs- und Zufahrtswegen zu entfernen. Seit Oktober letzten Jahres ist der Forst in der Nähe von Marburg von Aktivisten besetzt, die den Bau der Autobahn A49 durch den Wald verhindern wollen. Die Autobahn soll Kassel und Gießen miteinander verbinden. Die Rodung des Waldes ist für Oktober vorgesehen.

Aktivisten behindern Räumung – zwei Festnahmen

Im Zuge der geplanten Räumung von Rettungswegen hat es zwei Festnahmen gegeben: Die beiden Aktivisten hätten versucht, an ein Kranfahrzeug zu gelangen, sagte ein Polizeisprecher. Eine der beiden habe bereits im Korb des Fahrzeugs gesessen. Auch Gegenstände seinen auf den Waldweg geworfen worden, um die Reifen von Einsatzfahrzeugen zum Platzen zu bringen.

"Tripod" im Fokus der Polizei

Die Polizei räumt Barrikaden von Waldbesetzern im Dannenröder Forst in Mittelhessen. Eine Aktivistin sitzt auf einer aus Stämmen errichteten Plattform,.
Proteste im Dannenröder Forst während der Räumung des "Tripod"
© dpa, Boris Roessler, brx abl

Nach Angaben eines Polizeisprechers sei die vollständige Räumung des Gebietes nicht geplant. Ein spezieller Kontaktbeamter der Polizei informiere die Aktivisten während der Arbeiten über den weiteren Verlauf. "Straftaten, die sich gegen die Verrichtung der Arbeiten, gegen Arbeiter oder Einsatzkräfte richten, werden indes konsequent verfolgt", hieß es in einer Mitteilung.

Konkret beschäftigt sich die Polizei mit der Räumung eines sogenannten "Tripods". Das ist eine Konstruktion aus drei langen Stangen, die im oberen Teil verbunden sind und so einen Turm bilden. Darauf sind mehrere Umweltschützer befestigt, um die Räumung zu erschweren.

Aktivisten kritisieren "sinnlose Autoinfrastruktur"

Die Gegner der Rodung von "Sand im Getriebe" haben eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es heißt: "Die heutige Räumung der Barrikaden ist eine Vorbereitung auf die Rodung des Dannenröder Waldes! Das ist skandalös: die schwarz-grüne Landesregierung zeigt damit, dass sie an 40 Jahre alten Planungen festhält." Die A49 soll Kassel und Gießen miteinander verbinden. Der geplante Teilabschnitt führt von Stadtallendorf nach Gemünden (Felda). Vorgesehen ist, dass dafür etwa 64 Hektar Wald gefällt werden, davon 27 Hektar im Dannenröder Forst. Nach Ansicht der Aktivisten bräuchte es eine "sozial-ökologische Mobilitätswende", keine "sinnlose Autoinfrastruktur".

Unterstützung von Luisa Neubauer

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es deshalb mehrere Protestaktionen gegeben, unter anderem wurde die Bundesstraße bei Kirtorf (Vogelsbergkreis) zeitweise blockiert. Zuletzt hatte auch Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer das Camp besucht und ihre Unterstützung für die Aktion zum Ausdruck gebracht. Neubauer schrieb später auf Twitter über ihren Besuch: "Ich war heute da und frage mich wirklich, wie Bund & Land dieses Wahnsinnsvorhaben stoppen wollen. Oder ob das drin ist wo '#Grün' drauf steht."