Polizei rätselt nach Silvesternacht: Warum kamen wieder so viele Nordafrikaner nach Köln?

04. Januar 2017 - 17:39 Uhr

Lage war bereits um 20 Uhr wieder angespannt

Die Kölner Polizei zieht eine positive Bilanz nach der Silvesternacht, sind doch die Straftaten deutlich zurückgegangen. Doch die Aufarbeitung ist noch längst nicht abgeschlossen. Jetzt stellt sich vor allem die Frage, warum sich so viele nordafrikanische Männer zum Teil auch aus dem Ausland auf den Weg nach Köln gemacht haben. War das Zufall oder waren sie verabredet? Und was wollten sie in Köln?

Der Polizeieinsatz in Köln war enorm, das Ergebnis war es auch: Im Vergleich zur Kölner Silvesternacht des Vorjahres sank die Zahl der Körperverletzungen von 94 auf 28, die der Taschendiebstähle von 365 auf gerade mal 9 und die Zahl der angezeigten Sexualdelikte von einigen hundert auf nur noch 4. Auf den ersten Blick also eine positive Bilanz.

Doch offenbar hätte sich wohl ein ähnliches Bild geboten wie vor zwölf Monaten, wenn die Polizei dieses Mal nicht mit 1.700 Kräften Bahnhöfe und Plätze in Köln kontrolliert hätte. Vor allem gewaltbereite Nordafrikaner hatte die Polizei als Gefahrenquelle ausgemacht. Und tatsächlich hatten sich wieder ungewöhnlich viele von ihnen auf den Weg nach Köln gemacht - bis zu 2.000 tauchten in Gruppen am Dom auf. Für die Polizei eine angespannte Situation: "Ich bin überzeugt, dass wir bereits um 20 Uhr im Bereich der Innenstadt eine Situation hatten, die 2015 im Bereich der Innenstadt zu Eskalationen und zu Gewaltexzessen geführt hat", so Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies.

Am Bahnhof in Köln Deutz kamen gleich dreihundert Männer auf einmal an. Was war ihre Absicht? "Wir können diese Frage noch nicht beantworten, das macht mir auch Sorgen", so Mathies. "Zahlreiche Männergruppen hatten die Absicht, sich zunehmend Alkohol konsumierend über einen längeren Zeitraum im Kölner Hauptbahnhof aufzuhalten. Daher drohte die Situation in den Passagenbereichen des Bahnhofes immer unübersichtlicher zu werden", zitiert die 'Welt' einen Sprecher der Kölner Polizei.

Vieles spricht dafür, dass es Absprachen gab. Eine Theorie lautet, dass die Männer den deutschen Staat gezielt herausfordern wollten: "Wenn es wirklich so war, dass die Personen hier ganz bewusst hingekommen sind, um den deutschen Staat zu ignorieren oder vorzufüren, dann bedeutet das natürlich auch fürs nächste Jahr, dass wir erhebliche Polizeikräfte brauchen, um reibungslose Silvesterfeiern zu ermöglichen", so Volker Huß, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Nirgendwo in Deutschland leben so viele Nordafrikaner wie in Nordrhein-Westfalen. Viele leben in Düsseldorf im sogenannten Maghreb-Viertel, nicht zuletzt von dort aus machten sich viele auf den Weg nach Köln. Ähnliche Ansammlungen gab es zwar auch in anderen Städten, doch die Domstadt übt offenbar einen ganz besonderen Reiz aus. Warum das so ist, will die Kölner Polizei jetzt herausfinden: "Wir werden versuchen, diesen Fragen weiter auf den Grund zu gehen. Ich möchte wissen, worauf wir uns in Zukunft einstellen müssen", sagt Mathies.