10. Juni 2019 - 15:09 Uhr

Nach der Freilassung eines Mannes im Zusammenhang mit dem Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat die Sonderkommission am Montag weiter ermittelt. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei keine Angaben zu möglichen Fortschritten bei der Untersuchung des gewaltsamen Todes des CDU-Politikers.

Nach Informationen der "Bild-Zeitung" soll ein Polizeieinsatz auf zwei Fähren zur Insel Wangerooge am Samstagnachmittag im Zusammenhang mit dem Fall Lübcke stehen. In einer Mitteilung der Polizei in Wilhelmshaven hieß es, der Einsatz habe für ein anderes Bundesland stattgefunden. Um das laufende Verfahren nicht zu gefährden, könnten keine weiteren Auskünfte erteilt werden. Auch ein Sprecher der "Soko Liemecke", die im Fall Lübcke ermittelt, machte am Montag aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Die Soko arbeite auch am Pfingstmontag intensiv an der Auswertung der bisherigen Spuren.

Die mehrstündige Vernehmung des seit Samstagabend befragten Mannes habe keine Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung gegeben, hieß es. "Aus diesem Grund wurde er heute in den frühen Morgenstunden wieder entlassen", erklärten die Staatsanwaltschaft Kassel und die Sonderkommission (Soko) in einer am Sonntag verbreiteten Mitteilung. Auch zu dem Mann selbst wurden mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz auf Anfrage keine weiteren Angaben gemacht.

Staatsanwaltschaft und Soko riefen nach der Befragung des vorübergehend in Gewahrsam genommenen Mannes schriftlich dazu auf, "sich nicht an Spekulationen zu beteiligen, um nicht den Eindruck einer Vorverurteilung zu erwecken." Sie schadeten den Ermittlungen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, Andreas Thöne, erklärte zu dem Appell, es seien "arg viele Spekulationen" im Umlauf. "Das ist schon besonders." Diese Mutmaßungen brächten "unheimlich Unruhe". Sie könnten Ermittlungen erschweren und sogar zerstören.

Medienberichte, wonach sich die Ermittler sicher gewesen sein sollen, den Täter gefasst zu haben, nannte er nicht zutreffend. "Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Ermittlungslage, dass wir uns mit der Täterschaft sicher sind", sagte Thöne am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Trotz der Freilassung des Befragten könne man nicht sagen, dass die Ermittlungen wieder von vorne anfangen müssten. "Wir haben immer betont, dass wir verschiedene Stränge verfolgen und in alle Richtungen ermitteln. Also stehen wir nicht wieder bei Null", erklärte Thöne.

Die Auswertung von telefonischen Hinweisen, Fotos und Videos läuft unterdessen weiter, wie Thöne sagte. Zuletzt waren 160 Hinweise eingegangen. Der Fall war am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy...ungelöst" vorgestellt worden.

Lübcke war in der Nacht zu Sonntag vor einer Woche gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Der Schuss war den Ermittlungen zufolge aus nächster Nähe abgegeben worden.

Die Trauerfeier für den nordhessischen Regierungspräsidenten ist für den 13. Juni in Kassel geplant. In der Martinskirche wird es einen Trauergottesdienst mit "protokollarischen Ehrenbekundungen" geben, wie eine Sprecherin der hessischen Landesregierung angekündigt hatte.

Quelle: DPA