Dritte Krawall-Nacht in Folge

Polizei in Belarus geht erneut brutal gegen Demonstranten vor

Proteste in Belarus
© dpa, Sergei Grits, alf

12. August 2020 - 5:54 Uhr

Proteste gegen Lukatschenko reißen nicht ab

In Belarus ist es nach neuen Protesten erneut zu Gewalt gekommen. In sozialen Medien gab es in der Nacht zum Mittwoch vor allem aus der Hauptstadt Minsk viele Berichte von schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Dabei gingen Sicherheitskräfte immer wieder brutal gegen friedliche Menschen vor. Videos zeigen, wie Uniformierte Zivilisten verprügeln und treten.

Zahl der Verletzten unklar - tauusende Menschen festgenommen

Es war bereits die dritte Protestnacht in Folge nach der Präsidentenwahl am Sonntag. Die Polizei setzte wieder Blendgranaten und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein, wie Videos zeigten. Diese wehrten sich mit Steinen und Flaschen und bauten vereinzelt Barrikaden auf. Explosionen waren zu hören. Die Zahl der Verletzten ist nicht bekannt.Insgesamt wurden mit Stand Dienstag bislang mehr als 5.000 Menschen festgenommen.

Nach Einschätzung von Beobachtern gingen die Sicherheitskräfte diesmal härter gegen Demonstranten vor als in den Nächten zuvor. Viele Straßen in Minsk waren abgeriegelt. Zu hören war auch, wie Autos als Zeichen des Protestes hupend durch die Stadt fuhren.

Hunderte Menschen beteiligten sich erneut in mehreren Städten des Landes an den Aktionen gegen Wahlfälschung. Ein genauer Überblick war zunächst schwierig, weil es in Belarus wieder erhebliche Probleme mit dem Internet gab. Die Behörden wollen mit dieser Taktik verhindern, dass sich Demonstranten vernetzen.

Die Proteste in dem Land zwischen Russland und EU-Mitglied Polen brachen nach Ende der Wahl am Sonntagabend aus. Die Wut vieler Menschen richtet sich gegen Staatschef Alexander Lukaschenko, der sich nach 26 Jahren im Amt an seine Macht klammert. Kritiker bezeichnen ihn als "Europas letzten Diktator".