Polizei identifiziert zwei der drei Männer - Zwölf Verdächtige wieder frei

06. Juni 2017 - 8:14 Uhr

Zwei Tage nach dem Terroranschlag in London hat die britische Polizei zwei der drei mutmaßlichen Attentäter identifiziert. Es handele sich um den 27-jährigen Khuram Shazad Butt, einen in Pakistan geborenen Briten, und den 30 Jahre alten Rachid Redouane, der sich als Marokkaner oder auch als Libyer ausgegeben habe. Zuvor hatte es weitere Wohnungsdurchsuchungen und Festnahmen gegeben.

Polizei ließ zwölf Verdächtige wieder frei

dpatopbilder - HANDOUT - Die von der Metropolitan Police am 05.06.2017 zur Verfügung gestellten Fotos zeigen Khuram Shazad Butt (l) und Rachid Redouane, zwei identifizierte mutmaßliche Attentäter des Terroranschlags in London (Bildkombo). (zu dpa «Po
Bei den beiden identifizierten Attentätern soll es sich um diese Männer handeln: Khuram Shazad Butt, einen in Pakistan geborenen Briten und Rachid Redouane, der sich als Marokkaner oder auch als Libyer ausgegeben habe.
© dpa, Metropolitan Police, wie kde

Der in Pakistan geborene Brite Butt sei Polizei und dem Geheimdienst MI5 bekannt gewesen, teilten die Behörden mit. Es habe jedoch kein Verdacht bestanden, dass der Mann einen Anschlag plant. Redouane sei nicht auffällig geworden. Beide lebten im Ostlondoner Stadtteil Barking. Dort nahm die Polizei bei Durchsuchungen am Sonntag und Montag insgesamt zwölf Menschen fest, sieben Frauen und fünf Männer. Je ein Mann und eine Frau seien wieder freigelassen worden. Zudem hätten Polizisten sechs Objekte durchsucht. Zu dem dritten mutmaßlichen Attentäter sind noch keine näheren Informationen bekannt. Die drei Angreifer waren nach ihrer Tat von der Polizei erschossen worden.

Die Polizei ließ alle im Zusammenhang mit dem Terroranschlag Festgenommenen wieder frei. Die insgesamt zwölf Männer und Frauen seien inzwischen alle ohne Anklage entlassen worden, teilte die Polizei am späten Montagabend mit. Zudem kümmerten sich Experten um die Hinterbliebenen der Todesopfer. Sie sorgten sich auch um die Familie einer Person, die als vermisst gilt. 

Unterdessen reklamierte wie erwartet die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag für sich. Kämpfer des Islamischen Staates hätten die Tat ausgeführt, teilte das IS-Sprachrohr Amak am Sonntagabend im Internet mit. Dieses konnte zunächst nicht auf Echtheit überprüft werden. Es wurde aber über für den IS übliche Kanäle und in der üblichen Form verbreitet. Bei dem Anschlag in London waren am späten Samstagabend sieben Menschen getötet worden. Knapp 50 Menschen wurden verletzt, unter ihnen nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zwei Deutsche.

US-Präsident Donald Trump sagte Großbritannien "unerschütterliche Unterstützung" zu. Zugleich betonte er seine Entschlossenheit, die USA mit allen nötigen Mitteln vor terroristischen Attacken zu schützen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich kurz nach der Tat betroffen: "Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint".

Premierministerin May: "Jetzt reicht's"

Nach dem Attentat vom Wochenende kündigte die britische Premierministerin Theresa May eine härtere Gangart im Anti-Terror-Kampf an. "Jetzt reicht's", sagte die Regierungschefin am Sonntag. Wenige Tage vor der Parlamentswahl stellte sie einen Vier-Punkte-Plan vor, der sich auch gegen den radikalen Islamismus richtet. "Wir können und wir dürfen nicht so tun, als ob alles einfach so weitergehen könnte. Etwas muss sich ändern", sagte May.

"Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten." Es gebe "viel zuviel Toleranz für Extremismus in unserem Land", sagte sie. Am Donnerstag wählen die Briten ein neues Parlament.

Video: n-tv-Terrorismusexperte Michael Ortmann über die Hintergründe des Anschlags:

Social-Media-Dienste bieten Unterstützung an

May drang zugleich auf eine bessere Überwachung und Regulierung des Internets und von Messenger-Diensten an. Extremisten dürften dort keine Rückzugsorte mehr finden. Sie betonte, dafür brauche es internationale Vereinbarungen. Twitter und facebook gaben an, extremsitische Profile in Zukunft eher löschen zu wollen.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan rief für Montag (19.00 Uhr MESZ) zu einer Mahnwache im Potters Fields Park auf, um der Opfer des Anschlags vom Samstag zu gedenken. Die Grünfläche liegt am Rathaus an der Themse und unweit der London Bridge, auf der die Terrorattacke am Samstagabend begonnen hatte. 

Vier Polizisten verletzt - einer davon schwer

Polizei identifiziert zwei der drei Männer - Zwölf Verdächtige wieder frei
Als Zeichen der Solidarität mit London und seinen Bewohnern wurde in Berlin das Brandenburger Tor mit dem 'Union Jack', der britischen Flagge, angestrahlt.
© imago/ZUMA Press, Omer Messinger, imago stock&people

Bei dem Terroranschlag sind nach offiziellen Angaben vier Polizisten verletzt worden, davon einer schwer. Der Mann, der nicht im Dienst war und nur zufällig in der Nähe, sei weiterhin in kritischem Zustand, teilte die Polizei mit. Die Sicherheitskräfte hätten Stichverletzungen erlitten. Zuvor hatte bereits Polizeichefin Cressida Dick den "absolut heldenhaften" Einsatz der Beamten und besonders des nicht diensthabenden Polizisten gelobt. Der Mann war zufällig mit Freunden am Borough Market unterwegs, als die Terroristen dort Menschen mit Messern angriffen.

"Gezielte und feige Attacke"

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einer "gezielten und feigen Attacke" auf unschuldige Londoner und Besucher. Die britische Innenministerin Amber Rudd nannte die Attacke "entsetzlich". Diese habe sich gegen Menschen gerichtet, die sich mit ihren Freunden und Familien amüsiert hätten. Unter diesen "schwierigen und traumatischen Umständen" sei sie vor allem der Polizei und den Sicherheitskräften für ihren schnellen Einsatz dankbar, so die Innenministerin.

US-Präsident Donald Trump habe May noch in der Nacht telefonisch sein Mitgefühl ausgesprochen, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Auf Twitter schrieb Trump: "Was auch immer die Vereinigten Staaten tun können, um in London und im Vereinigten Königreich zu helfen, wir werden da sein".

Der französische Staatspräsidenten Emmanuel Macron schrieb auf Twitter, Frankreich stehe nach der "neuen Tragödie" an der Seite Großbritanniens. "Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien."