Polizei hielt ihn für den Angreifer: Jetzt spricht der jüdische Professor über die Attacke in Bonn

Ein jüdischer Professor wurde in Bonn auf der Straße angegriffen. Die Polizisten, die ihm zur Hilfe eilen sollten, hielten ihn dann auch noch für den Angreifer. (Foto: Motivbild)
Ein jüdischer Professor wurde in Bonn auf der Straße angegriffen. Die Polizisten, die ihm zur Hilfe eilen sollten, hielten ihn dann auch noch für den Angreifer. (Foto: Motivbild)
© dpa, Sebastian Kahnert, skh NWI

14. Juli 2018 - 17:03 Uhr

Jitzchak Jochanan Melamed wirft der Polizei Lügen vor

Dass ein israelischer Professor in Bonn nicht unbehelligt über die Straße gehen kann, ist eigentlich schon erschütternd genug. Dass er von den Beamten, die ihm eigentlich zur Hilfe eilen sollten, für den Angreifer gehalten und zusammengeschlagen wird, ist einfach unfassbar. Jetzt hat sich Jitzchak Jochanan Melamed, der an der Universität Baltimore Philosophie lehrt, zu den Vorfällen geäußert.

20-Jähriger schlug den Professor die Kippa vom Kopf

Der 50-Jährige wurde auf der Straße von einem 20-Jährigen mit palästinensischen Wurzeln angesprochen. "Bist du Jude?", habe der Mann ihn gefragt und hinzugefügt, dass er Palästinenser sei, erzählte Melamed. Er habe daraufhin Sympathie mit den Palästinensern bekundet. Das schien den 20-Jährigen aber nicht zu interessieren. Er schrie ihn auf Englisch an, beleidigte ihn und schlug ihm mehrmals die Kippa vom Kopf und begann, ihn zu schubsen. Die Begleiterin des Hochschullehrers rief den Notruf. Bis die Polizei eintraf, dauerte es laut dem Philosophie-Professor mindestens 20 Minuten.

Als die Beamten dann vor Orte eintrafen, kam es laut Polizei zu einer verhängnisvollen Verwechslung. Der junge Mann hörte die Sirenen, riss sich das T-Shirt vom Leib und rannte davon. Der Professor sei ihm hinterhergelaufen, darum hielten ihn die Einsatzkräfte zuerst für den Angreifer und rangen ihn nieder, erklärte die Bonner Polizei in einer Pressemitteilung. Der 50-Jährige sei trotz mehrfacher Aufforderung nicht stehengeblieben. Weil er sich wehrte, hätten ihm die Beamten mehrmals ins Gesicht geschlagen.

"Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an"

Melamed erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte. Die Polizei verbreite Lügen über den Vorfall, erklärte er. "Ich war nicht zu 100, sondern zu 500 Prozent passiv", sagte der Professor dem "Hamburger Abendblatt". Die Polizisten seien sofort auf ihn losgegangen und er habe danach kaum noch atmen, geschweige denn Widerstand leisten können. "Ich bin kein trainierter Kämpfer, sondern ein Philosoph", sagte er der Zeitung.

Er rief, dass er der falsche sei, aber die Polizisten legten ihm Handschellen an. "Dann fingen sie an, mir ins Gesicht zu schlagen. Ungefähr 50, 60, 70 Mal - völlig verrückt! Ich war geschockt. Das ist ein abscheuliches Polizeiverhalten, wie man es sonst nur in einem Entwicklungsland findet."

Erst seine Begleiterin konnte das Missverständnis aufklären, woraufhin ihm die Handschellen wieder abgenommen wurden. Statt sich zu entschuldigen sagte einer der Beamten: "Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an". Melamed antwortete, dass die deutsche Polizei 1942 seine Großeltern, seinen Onkel und seine Tante ermordet habe. Auf der Wache versuchten die Beamten dann noch, ihn davon abzubringen, eine Beschwerde einzureichen. Jetzt untersucht das Polizeipräsidium Köln den Einsatz der Bonner Kollegen.