Bei "Black Lives Matter"-Protesten in Los Angeles

Polizei-Gummigeschoss zerfetzt Hoden - Demonstrant verklagt Los Angeles

Polizeieinsatz in Los Angeles
Polizeieinsatz in Los Angeles
© Los Angeles Police Departement

14. April 2021 - 17:17 Uhr

Ein Hoden schwoll auf die Größe einer Grapefruit an

Er protestierte gegen Polizeigewalt und wurde selbst Opfer davon. Ben Montemayor gehörte zu den Tausenden Menschen in Los Angeles, die aus Protest gegen die Ermordung von George Floyd auf die Straße gingen. Bei einem Polizeieinsatz gegen die Demonstranten wurde er von einem Gummigeschoss in den Unterleib getroffen und schwer an den Hoden verletzt. Einer sei regelrecht "zerfetzt" worden, berichtet die "Los Angeles Times". Jetzt hat Montemayor die Polizei der US-Metropole verklagt.

Demo in Los Angeles: Polizist feuert aus kurzer Nähe absichtlich auf den Unterleib

June 8, 2020, Los Angeles, California, USA: Black Lives Matter supporters rally at 1st street and Broadway in memorial for George Floyd and others killed due to police violence Monday, June 8, 2020. The memorial Service Rally by Black Live Matter dem
Bei einer "Black Live Matter"-Demonstration in Los Angeles wie dieser kam es zu dem schweren Zwischenfall.
© picture alliance / ZUMAPRESS.com | David Crane

Der Vorfall ereignete sich im Juni 2020, so das Blatt. Weltweit protestierten Menschen nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd gegen Polizeigewalt. Floyd war gestorben, weil der Polizist Derek Chauvin bei seiner Festnahme minutenlang auf dessen Hals kniete, obwohl der Mann wiederholt "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen") flehte.

Diese Demonstration in der kalifornischen Millionenstadt sei friedlich verlaufen, berichtet die "Los Angeles Times". Ben Montemayor habe lediglich ein Protestplakat bei sich gehabt, sei unbewaffnet gewesen. Dennoch sei die Polizei rabiat vorgegangen, habe ihm das Plakat entrissen und ein Polizist soll Montemayor aus kurzer Distanz ein Gummigeschoss in die Leistengegend gefeuert haben.

Notoperation rettet zerfetzten Hoden

Bodycam-Aufnahmen der Polizisten belegen, dass der Uniformierte offenbar mit voller Absicht auf den Unterleib Montemayors zielte. Mit ebenso schlimmen wie ungeheuer schmerzhaften Folgen: Durch die Wucht des Aufpralls seien beide Hoden massiv angeschwollen, einer habe die Größe einer Grapefruit gehabt.

Eine Ultraschalluntersuchung zeigte dann dem Bericht zufolge das gesamte Ausmaß der Verletzung: Ein Hoden sei zerfetzt gewesen, die Ärzte mussten ihn einer Notoperation mühsam zusammenflicken. Ohne den sofortigen Eingriff hätte der 29-Jährige seinen Hoden unweigerlich verloren.

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Schmerzensgeld in ungenannter Höhe gefordert

Wie es weiter heißt, leide der Mann noch heute unter Folgen der Polizeiattacke. Immer, wenn er einen Polizisten sehe, habe er "Flashbacks". So nennen Experten die Situationen, in denen Opfer traumatischer Erlebnisse die Situationen plötzlich nochmals durchleben.

Wegen der gravierenden Folgen hat Ben Montemayor Klage eingereicht. Der "Los Angeles Times" fordert er Schmerzensgeld in ungenannter Höhe wegen übertriebener Gewaltanwendung und Verletzung seiner Bürgerrechte.

Die Klage richte sich gegen die die Stadt und ihren Polizeichef Michel Moore. Zudem fordere Montemayor, dass die Polizei aufhört, die Gefahr des Einsatzes von Gummigeschossen zu verharmlosen. Zumal in seinem Fall kein Grund dafür bestanden habe – die Polizei darf Gummigeschosse nur bei akuter Bedrohung einsetzen.