Polizei Bonn ist überzeugt, den mutmaßlichen Totschläger gefasst zu haben

19. Mai 2016 - 9:58 Uhr

Von Rebekka Kaiser

In der Nacht zum 7. Mai fügte ein Mann dem 17-jährigen Niklas P. in Bonn Bad Godesberg so schwere Verletzungen zu, dass er nur wenige Tage später im Krankenhaus starb. Nun gab die Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz bekannt, den mutmaßlichen Totschläger gefasst zu haben und schilderte den Tathergang im Detail.

Fall Niklas P.: Polizei ist überzeugt, den mutmaßlichen Haupttäter geschnappt zu haben.
Im Bonner Stadtteil Bad Godesberg versetzte ein Mann dem 17-jährigen Niklas P. die tödlichen Schläge.
© dpa, Volker Lannert

Nach dem Feuerwerk 'Rhein in Flammen' sei Niklas P. mit einem Freund und zwei Freundinnen durch den Bonner Stadtteil Bad Godesberg spaziert. Die Gruppe befand sich auf dem Nachhauseweg, als sie plötzlich von mehreren Männern "verbal provoziert" wurden, erklärt Staatsanwalt Robin Faßbender. Nachdem mehrere heftige Beleidigungen auf sie hereingeprasselt seien, hätte Niklas P. die unbekannten Männer zur Rede stellen wollen.

Daraufhin löste sich ein Mann aus der Gruppe und schlug Niklas P. so stark gegen die Schläfe, dass dieser auf dem Boden zusammensackte. Sogleich sei ein Freund herbeigeeilt und habe Niklas P. helfen wollen. Doch der Schläger sei plötzlich noch einmal zurückgekehrt, um Niklas P. mit voller Wucht gegen den Kopf zu treten. Kurz zuvor hätte ein anderer Mann einer Freundin von Niklas P. mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen.

Der mutmaßliche Totschläger ist polizeibekannt

Die zwei brutalen Attacken ließen Niklas P. innerhalb weniger Sekunden bewusstlos werden und später in ein Koma fallen, aus dem er nie wieder erwachen sollte. Nach dem tödlichen Angriff auf den Schüler fahndete die Polizei mit Hochdruck nach den Tätern. Nur wenige Tage nach der Gewalttat ist sie überzeugt, den mutmaßlichen Haupttäter geschnappt zu haben: Ein 20 Jahre alter Italiener soll Niklas P. an dem verhängnisvollen Abend aus dem Leben geschlagen haben. Laut Staatsanwaltschaft besitzt der bereits polizeibekannte Mann keinen deutschen Pass, lebt aber schon seit mehreren Jahren in Bonn.

Bei den Verhören habe der Mann jegliche Beteiligung an der Tat bestritten, sich aber mehrfach in starke Widersprüche verwickelt. Gegen den Mann spreche auch, dass er von einem Zeugen eindeutig als der Angreifer auf Niklas P. identifiziert worden sei. Daher will die Polizei gegen den Mann einen Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Die Ermittler suchen noch immer nach den zwei weiteren Männern, die in die Tat verstrickt sein sollen. Für kurze Zeit hätten sie zwei Verdächtige verhaftet, aber sie inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt, weil sich der Verdacht nicht erhärtet hätte.

Bis zu 16 Stunden seien die Beamten pro Tag im Einsatz, um den tragischen Fall vollends aufzuklären, betont Kriminalhauptkommissar Franz Wirges. Er nutzt die Pressekonferenz nicht nur, um nüchterne Fakten zu benennen, sondern auch um sich bei seinem Team für den Arbeitseifer zu bedanken. "Das sind wir Niklas' Eltern auch schuldig", setzt Wirges dann noch hinzu. Für einen kurzen Moment ist spürbar, dass die sinnlose Gewalt, die sich an einem gewöhnlichen Samstagabend in Bonn entladen hat, auch hartgesottene Beamte nicht kalt lässt.