Entführung: 12-Jährige rettet sich selbst mit Polizei-Notruf aus den Fängen eines Sextäters

09. Juni 2017 - 19:36 Uhr

Blitzschnell reagiert: Teenager kann gerade noch den Notruf wählen

Es ist gerade Nachmittag, als bei der Polizei in Leipzig ein Notruf eingeht: eine 12-Jährige berichtet aufgelöst, sie sei auf dem Schulweg entführt worden. Mit wichtigen Details: Sie merkt sich trotz unheimlicher Situation die Firma der Autovermietung des Lieferwagens, in dem sie gefangen ist und teilt diese der Polizei mit. Dann bricht die Verbindung ab. Doch der Polizei gelingt es, das Mädchen zu retten.

Das mutige Mädchen hat geistesgegenwärtig das Richtige getan

Weißer Lieferwagen
In diesem Lieferwagen wurde die 12-Jährige entführt
© RTL

Um 18:30 Uhr erfolgt der Zugriff: Auf einer Landstraße bei Lützen in Sachsen-Anhalt stoppen die Einsatzkräfte einen weißen Ford Transit. Am Steuer des gemieteten Wagens sitzt der 36-Jähriger Frank L. aus Leipzig. Im Laderaum finden die Polizisten dann tatsächlich die entführte 12-Jährige. Körperlich ist sie unverletzt, doch sie wird von Psychologen betreut.

"Als die Nachricht eintraf, dass Spezialkräfte den Täter gestellt haben, gab es spontanen Applaus", äußerte sich Andreas Loepki von der Polizei Leipzig. Den raschen Fahndungserfolg verdanken die Beamten vor allem dem geistesgegenwärtigen Notruf des Mädchens: die 12-Jährige konnte noch Angaben zu dem Fahrzeug machen, in das sie der Mann gelockt hatte. Die Polizei ermittelte daraufhin einen weißen Miettransporter und den mutmaßlichen Fahrer. Sofort wurde eine Großfahndung ausgelöst und tatsächlich wurden die Beamten rund drei Stunden nach der Tat fündig.

Die tapfere 12-Jährige hat sich selbst gerettet und das auf unglaublich coole Art und Weise. Dabei musste das junge Mädchen in diesen Augenblicken Todesängste durchstehen. Wie es dem Mädchen trotz Schock und Todesangst gelang, blitzschnell richtig zu reagieren, erklärt Psychologin Haik Schönherr im Video.

Mann wird dem Haftrichter vorgeführt

Der Täter ist den Beamten kein Unbekannter: Der mutmaßliche Entführer ist bereits wegen des Erwerbs und Besitzes von Kinderpornografie vorbestraft. 2015 habe der 36-Jährige deswegen eine Geldstrafe erhalten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig, Felix Mezger. Das Perfide daran: Nachbarn ahnten nichts von seiner krankhaften Neigung. Eine Nachbarin berichtete, sie habe hin und wieder Pakete von Frank L. angenommen. Er sei ruhig gewesen und freundlich.

Der 36-jährige Fahrer wurde vorläufig festgenommen. Er habe sich in einer Vernehmung geäußert, teilte die Polizei mit. Details dazu wollte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Er soll einem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Angaben der Ermittler stehen Opfer und Täter in keinem familiären Verhältnis.