Bier, Brezel und bunte Fähnchen

Heftiger Schlagabtausch beim Politischen Aschermittwoch

26. Februar 2020 - 22:57 Uhr

Söder lässt sich als wahrer Anführer der Union huldigen

Die Karnevalszeit ist vorbei - der politische Rummel ging aber weiter, mit den Aschermittwochsveranstaltungen der großen Parteien. Vor allem bei der CDU ging es heiß zur Sache. Während Friedrich Merz die Linke attackierte, beschwor Armin Laschet Zusammenhalt. In Passau griff CSU-Chef Markus Söder die Grünen an. Mehr dazu im Video. 

Merz attackiert Linke, Laschet beschwört Zusammenhalt

26.02.2020, Bayern, Passau: Markus Söder, CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident aus Bayern prostet beim Politischen Aschermittwoch der CSU den Anwesenden zu. Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Politischer Aschermittwoch - CSU
© dpa, Peter Kneffel

Die wohl wichtigste Erkenntnis des diesjährigen politischen Aschermittwochs hat weitreichende Folgen: In Deutschland ist eine Machtverschiebung in vollem Gange. Hauptgegner der Union ist nicht mehr die SPD, sondern sind längst die Grünen. Und diese sind laut ihrem Chef Robert Habeck nicht nur dafür bereit. Auf die zentrale Frage, was unsere Gesellschaft zusammenhält, sei von der Union keine Antwort mehr zu erwarten. "Also müssen wir sie geben!", ruft er in Landshut seinen jubelnden Parteifreunden zu. Damit formuliert Habeck nicht nur den Machtanspruch der Grünen, zugleich legt er damit den Finger in die schmerzhafteste Wunde der Volksparteien CDU und CSU.

CSU-Chef Markus Söder schaltet bei dem laut seiner Partei "größten Stammtisch der Welt mit gefühlten 10.000" in Passau auf Angriff gegen Habeck: "Ein grüner Kanzler - den wollen wir nicht in Deutschland." Das Programm der Grünen mit Verboten und Belehrungen atme den Mief der 80er Jahre. Die Grünen wollten "nix Neues, viel Altes, immer das gleiche", den Griff in grüne "Mottenkisten".

Merz attackiert Linke, Laschet beschwört Zusammenhalt

26.02.2020, Thüringen, Apolda: Friedrich Merz, ehemaliger Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, spricht in der Festhalle der Vereinsbrauerei Apolda, beim politischen Aschermittwoch des thüringischen Landesverbandes der CDU. Foto: Martin Sch
Einen Ministerposten schließt Merz für sich im Falle der Wahl zum CDU-Chef aus.
© dpa, Martin Schutt, jai

Auch die beiden Favoriten bei der für Ende April terminierten Kampfabstimmung um den CDU-Chefsessel lassen sich den Aschermittwoch nicht entgehen. Im tiefsten Sauerland - also im "Merz-Revier" - steht NRW-Regierungschef Armin Laschet auf der Bühne. Erst am Ende seiner Rede kommt er aber auf den "Wettbewerb" in der CDU zu sprechen: "Ich will es einfach nur machen", holpert er fast verlegen ins Mikrofon. Die CDU werde nur Erfolg haben, wenn sie es schaffe, dass "alle mit an Bord sind". Ohne den Namen Merz zu nennen, klingt es wie eine Bitte an den Sauerländer, sich doch noch für eine Teamlösung und damit gegen eine Kampfabstimmung zu entscheiden, die die Partei weiter spalten würde.

Und Merz? Der wird schon vor seiner Rede im thüringischen Apolda laut und demonstrativ gefeiert. Ausgerechnet hier, wo das Scheitern von Kramp-Karrenbauer mit der Wahl des FDP-Manns Thomas Kemmerich mit Stimmen von CDU und AfD vor Wochen ihren Anfang nahm. "Das mitten im Winter der Frühling da ist, liegt auch an dir, lieber Friedrich", sagt Noch-CDU-Landeschef Mike Mohring. Die Union brauche dringend einen Neuanfang. "Wir setzen auf dich." Merz muss nur noch nicken. Doch wie Laschet beschwört auch er den Zusammenhalt: Sollte er CDU-Vorsitzender werden, gehörten Laschet und Spahn in sein Team, sagte Merz. "Dann sind wir eine Mannschaft, dann gehen wir zusammen nach vorn." 

Welche Rolle er für sich im CDU-Team der Zukunft sieht, erklärt er stattdessen in einem Interview: Einen Ministerposten schließt er für sich im Falle der Wahl zum CDU-Chef aus. Punkt.