Ausweise, Chats, Briefe, Rechnungen, Kreditkarteninformationen & Co. im Netz veröffentlicht

Politiker reagieren auf Hacker-Angriff: "Müssen Gegenmaßnahmen ergreifen"

04. Januar 2019 - 19:45 Uhr

Grünen-Chef Habeck erstattet Strafanzeige

Riesiger Hacker-Angriff auf hunderte Politiker und Personen des öffentlchen Lebens! Nach und nach wird das Ausmaß des Datenklaus deutlich. Die Bundesregierung wertet die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten von Politikern und Parteien sowie Prominenten als "schwerwiegenden Angriff". Zu den Daten zählen unter anderem Telefonnummern und Chat-Verläufe. Die Sicherheitsbehörden bemühen sich, möglichst schnell dafür zu sorgen, dass die Daten nicht mehr abgerufen werden können.

Im Video äußert sich der Bundestagsabgeordnete Gerd Müller (CSU) zu dem Hacker-Angriff.

"Alle Ebenen" sollen betroffen sein

Aus dem Kanzleramt selbst sind infolge des Datenlecks keine sensiblen Daten abgeflossen. Das gelte auch für den Bereich von Kanzlerin Angela Merkel, so die stellvertrende Regierunssprecherin Martina Fietz bei einer Pressekonferenz. Betroffen seien "alle Ebenen" - also Politiker aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu den Kommunen.

Nun erstattete Grünen-Chef Robert Habeck wegen der Veröffentlichung von Daten Strafanzeige gegen unbekannt, so ein Parteisprecher gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

​Auch Linken-Politiker Dietmar Bartsch äußert sich schockiert zu dem Daten-Angriff: "Es ist ein schwerer Anschlag auf die Demokratie in unserem Land. Es ist ein Anschlag auf den sozialen Zusammenhalt in unserem Land."

"Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen", erklärte Justizministerin Katarina Barley (SPD). ​Sie betonte, die Täter müssten rasch ermittelt und ihre möglicherweise politischen Motive aufgeklärt werden. "Kriminelle und ihre Hintermänner dürfen keine Debatten in unserem Land bestimmen", mahnte die Justizministerin.

Im Video: IT-Experte Sven Herpig erklärt Hintergründe des Hacker-Angriffs

Datenabfluss erfolgte nicht über Regierungsnetz

CSU-Landesgruppen-Chef Alexander Dobrindt äußerte sich bei der CSU-Klausur in Seeon zu dem Daten-Angriff: "Man muss abwarten, was die Ergebnisse der Untersuchungen sagen. Erst wenn wir die Quelle der Daten kennen, kann man auch darüber sprechen, wie weit Datensicherheit betroffen ist, welche Technologie verwendet wurde, um an die Daten zu kommen."

Derzeit prüft die Bundesregierung, ob die im Internet veröffentlichten Daten von Prominenten und Politikern tatsächlich durch einen Hacker-Angriff abgefischt wurden. Es sei auch möglich, dass jemand, der durch seine Tätigkeit Zugang zu sensiblen Daten hat, diese online gestellt hat. Fest stehe: Der Datenabfluss sei nicht über das Regierungsnetz erfolgt. Ein möglicher Angriffspunkt sei das Netz des Bundestages.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geht im Moment davon aus, dass die Datendiebe auch private Clouds angezapft haben. Viele der veröffentlichten Daten stammen auch aus öffentlichen Bereichen des Internets wie Sozialen Medien oder Webauftritten. Private Geräte von Politikern sind häufig weniger geschützt, erklärt auch IT-Experte Sven Herpig im RTL-Interview.