Christian Lindner: "Brauchen eine Krisen-Produktion"

Politiker fordern: Corona-Impfstoff muss schneller produziert werden

28. Dezember 2020 - 10:31 Uhr

Forderung: Tempo der Impfstoff-Produktion muss erhöht werden

Nur kurze Zeit nach dem Start der Corona-Impfungen gibt es bereits Forderungen nach einem höheren Tempo bei der Impfstoffproduktion. "Es ist ein krisenhafter Zustand, da brauchen wir eine Krisenproduktion", sagte FDP-Chef Christian Lindner in einer "Bild"-Sendung. Was Lindner ohne entsprechende Krisenproduktion für das kommende Jahr befürchtet, erklärt er im Video.

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Christian Lindner: "Das ist eine Frage von Leben und Tod"

Deutschland müsse rechtlich, wirtschaftlich, politisch und technologisch alles tun, damit schneller geimpft werden könne. "Das ist eine Frage von Leben und Tod, eine Frage unserer Freiheit. Und es ist eine Überlebensfrage auch für unsere Wirtschaft, denn die ist schon auf der Intensivstation", so Lindner weiter.

Konkret regte er an, darüber nachzudenken, ob ein knapper Impfstoff wie der von Biontech nicht von anderen Herstellern in Lizenz produziert werden könnte. "Die Regierung sollte mit der pharmazeutischen Industrie insgesamt prüfen: Wo gibt es noch Kapazitäten, die genutzt werden können für die Produktion eines Impfstoffs?"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist zuversichtlich, dass die Produktion des Corona-Impfstoffs in Deutschland bald hochgefahren werden kann. "Wir tun alles zusammen mit Biontech-Pfizer, dass es zusätzliche Produktionsstätten hier in Deutschland etwa in Marburg in Hessen geben kann", sagte Spahn im ZDF-"Morgenmagazin". "Ziel ist, noch im Februar/März dort auch Produktion möglich zu machen. Und das würde die Menge enorm erhöhen."

"Impfstoff lässt sich nicht ganz einfach nachproduzieren"

Mecklenburg- Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig hat am Abend gesagt, sie habe Sorge, dass nicht immer genug Impfstoff da sei. Warum diese Knappheit und muss Bundesgesundheitsminister Spahn hier nochmal nachlegen? Antworten dazu aus Berlin von unserer Reporterin Miriam Pauli.

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Achim Kessler: Gesetzliche Möglichkeiten müssen ausgeschöpft werden

Der Linke-Gesundheitspolitiker Achim Kessler sagte dem "Spiegel": "Der Gesundheitsminister kann nach dem Ersten Bevölkerungsschutzgesetz Unternehmen zwingen, anderen Unternehmen eine Lizenz zum Nachproduzieren zu gewähren." Das müsse die Bundesregierung jetzt schnell tun. "Wenn die Bundesregierung jetzt nicht alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpft, gefährdet sie zahllose Menschenleben." Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte vor negativen Folgen durch Lieferengpässe gewarnt. "Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen", sagte der CSU-Chef. Leider sei noch nicht genügend Impfstoff vorhanden.

Mit Befremden reagierte Spahn auf diesen Vorschlag: "Eine Produktion für einen Impfstoff ist hoch anspruchsvoll und hochkomplex, die kann man nicht mal eben per Lizenz bei einem anderen Unternehmen machen", sagte er. Gerade auch für das Vertrauen in den Impfstoff ist es wichtig, dass alle Qualitätsanforderungen eingehalten würden.

Generell sei es einfach falsch, wenn der Eindruck entstehe, alle Länder außer Deutschland hätten genügend Impfstoff: "Der ist überall knapp, für alle auf der Welt." Die Bundesregierung arbeite daran, dass es bald mehr Impfstoff gebe. "Aber wir machen das so, dass dann anschließend auch die Qualität stimmt."

Warnend äußerte sich auch Karl Lauterbach. "Die Impfung läuft gut an. Das Problem aber ist, dass wir mit dem vorhandenen Impfstoff nur fünf Millionen Menschen bis Ende März impfen können", sagte der SPD-Gesundheitspolitiker. "Uns läuft aber die Zeit davon. Das Virus hat bereits Mutationen gebildet."

BioNTech Werk in Idar-Oberstein, Rheinland-Pfalz, Ein Firmensitz des Impfstoff-Herstellers. 18.12.2020, BioNTech Werk in Idar-Oberstein 18.12.2020, BioNTech Werk in Idar-Oberstein *** 18 12 2020, BioNTech plant in Idar Oberstein, Rhinela
Biontech ist bisher die einzige Firma in Deutschland mit eigener Impfstoffproduktion. Das muss sich ändern, fordert Linken-Politiker Achim Kessler.
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Kritiker beklagen: Deutschland habe zu wenig Impfstoff bestellt

Kritiker hatten der EU und auch Deutschland vorgehalten, zu wenig Impfstoff bestellt zu haben, weshalb es in anderen Staaten weltweit schneller vorangehe mit den Impfungen. Lindner sagte zu dem Thema, die Bundesregierung habe ihre Bestellung "sehr spät" angepasst und erst kurz vor Weihnachten 30 Millionen Dosen zusätzlich geordert. Andere hätten da ihre Bestellungen bereits abgeschlossen.

Produktion zu langsam? Pharmaindustrie weist Vorwürfe zurück

Der Impfstoff von Pfizer/Biontech.
Wie können mehr Impfdosen hergestellt werden? Politiker fordern, mehr Unternehmen eine Lizenz dafür zu geben.
© imago images/HMB-Media, HMB Media/Julien Becker via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Pharmaindustrie widersprach dem Vorwurf, wonach die Produktion des Corona-Impfstoffs zu langsam anläuft. "Wir sehen in Deutschland sechs Tage nach der Zulassung erste Corona-Impfungen, und wir werden im Januar noch deutlich mehr Impfungen haben, weil immer mehr der vom Staat bestellten Mengen geliefert werden", sagte der Präsident des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller, Han Steutel, der "Augsburger Allgemeinen". Er verwies darauf, dass überall in Deutschland die Produktionskapazität für den Corona-Impfstoff hochgefahren werde. "Und jeder weitere Hersteller, der eine Zulassung erhält, wird ebenfalls mit vorproduzierten Chargen schnell im Markt sein."

In Deutschland waren am Sonntag mobile Teams ausgeschwärmt, um zuerst vor allem Menschen über 80 in Pflege- und Seniorenheimen sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Klinikpersonal zu impfen. Zunächst standen bundesweit nur gut 150.000 Impfdosen bereit. Bis Jahresende sollen es 1,3 Millionen und Ende März über zehn Millionen Impfdosen sein.

Rund um die Impfung gibt es viele Mythen und auch Falschmeldungen. Was stimmt eigentlich? Hier gibt es Aufklärung.

Gesundheitsminister Spahn: Keine Sonderrechte für Geimpfte

Unterdessen sprach sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gegen Sonderrechte für Geimpfte aus. "Viele warten solidarisch, damit einige als Erste geimpft werden können. Und die Noch-Nicht-Geimpften erwarten umgekehrt, dass sich die Geimpften solidarisch gedulden", sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Keiner sollte Sonderrechte einfordern, bis alle die Chance zur Impfung hatten." Diese gegenseitige Rücksicht halte die Nation zusammen. "Gegen die Pandemie kämpfen wir gemeinsam - und wir werden sie nur gemeinsam überwinden." Am Wochenende hatten die Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland begonnen. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich gegen Sonderrechte ausgesprochen.


Quelle: DPA/RTL.de