"11 Leben"-Podcast zur Bayern-Legende

Mit Fieber ins Endspiel: Uli Hoeneß wird Weltmeister

Uli Hoeneß
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15. September 2020 - 19:52 Uhr

„11 Leben“-Podcast: Max-Jakob Ost durchleuchtet FC-Bayern-Ikone Uli Hoeneß

Einer der erfolgreichsten Fußballer Deutschlands zu sein. Das war das ehrgeizige Ziel, welches Uli Hoeneß anstrebte - und tatsächlich auch erreichen sollte. Doch der Weg auf den Fußball-Olymp wurde nicht zu dem Selbstgänger, wie ihn sich Hoeneß sicher gewünscht hätte. Max-Jakob Ost stellt während seiner Podcast-Recherchen zu Uli Hoeneß' Leben und in zahlreichen Gesprächen zumindest eines fest: Oft ist es dieser "typische Hoeneß", der fast alles kaputt gemacht hätte. 

Von Cedric Schmidt

Im zweiten Teil seines Podcasts "11 Leben – Die Welt von Uli Hoeneß" widmet sich Journalist Max-Jacob Ost dem einmaligen Aufstieg von Uli Hoeneß. Einem jungen Fußballspieler, der gerade die Provinz von Ulm verlassen hatte, um beim FC Bayern München (zumindest offiziell) als Gärtner anzufangen - und mit 22 Jahren alles gewinnt, was es zu gewinnen gilt. Sein Ehrgeiz und Egoismus hätten jedoch fast den großen Traum vom WM-Titel 1974 platzen lassen: Hoeneß verschweigt eine fiebrige Grippe, um im WM-Finale zu spielen – und verursacht bereits nach 60 Sekunden einen Elfmeter.

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Das Projekt FC Bayern droht für Hoeneß früh zu scheitern

Vor dem WM-Titel stand zunächst der Anfang beim FC Bayern: Neue Stadt, neue Wohnung – gemeinsam mit Paul Breitner in einer Wohngemeinschaft. Doch anders als die Wohnsituation in München gestaltet sich der Anfang beim FC Bayern holprig. "Der Uli wusste was er wollte", erinnert sich Franz "Bulle" Roth im Podcast "11 Leben" an seinen talentierten, aber bereits sehr unbequemen neuen Teamkameraden, "aber wir waren damals ja schon die erfahrenen Spieler. Da mussten sie [Uli und Paul] sich schon ein bisschen unterordnen." Unterordnen – etwas, das nicht zu Hoeneß' Stärken zählt – damals wie heute. Beflügelt vom Rückenwind der Presse war er mit gerade einmal 18 Jahren schon der Lautsprecher, sodass Hoeneß "nicht nur mit Kondition, sondern auch mit flotten Sprüchen auffällt", so Podcast-Host Max-Jacob Ost.

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Es sind Breitseiten, die er offen an verdiente Mitspieler wie Gerd Müller, Erich Maas und – nicht zuletzt dem "Kaiser" – Franz Beckenbauer verteilt, die das Kapitel FC Bayern schon früh zu beenden droht. "Wenn ich so als junger Spund aus Ulm in so ein Mannschaftsgefüge komme", erinnert sich Sportjournalist und Hoeneß-Biograph Peter Bizer im Podcast, "und dann schon Ansprüche stelle, da kommt schon Gegenwind, das ist schon klar." Trainer Udo Lattek zieht daher die Reißleine und initiiert eine Aussprache zwischen Hoeneß und der Mannschaft. Mit Erfolg. "Der Paul und der Uli hatten natürlich die Unterstützung von Udo Lattek", so Bizer, "da muss man eine Aussprache halten und dann war er voll integriert - und wurde einer der besten Stürmer in Deutschland oder sogar Europa." 

Olympia und das Image der Raffgier

Und als eben dieser darf Hoeneß zu den Olympischen Spielen in München – wegen derer er immerhin auf seinen Profi-Vertrag verzichtet hat und offiziell nur als Gärtner bei Bayern München angestellt ist. Doch statt zum Star "wurde er zum Nebendarsteller", so Max-Jacob Ost im Podcast. Der große Erfolg für Deutschland und Hoeneß misslingt nach dem 4:1 gegen Ungarn – nur einen Tag nach dem Olympia-Attentat. Hoeneß nach den Spielen: "Ich weiß, ich habe als Fußballer einiges von meinem Image eingebüßt, man hat einfach von mir zu viel erwartet. Olympia, das möchte ich sagen, war eine gute Lehre für mein zukünftiges Leben."

Und das Image sollte ambivalent werden. Ottmar Hitzfeld, der statt Hoeneß die Tore bei Olympia schießt, sagt anschließend über Hoeneß: "Er ist mit dem Porsche rumgefahren, während wir imMannschaftsbus saßen." Er skizziert damit genau das Bild, welches die ein Großteil der deutschen Öffentlichkeit von Hoeneß hat: Nicht nur ein dynamischer Fußballspieler, sondern ein Mensch, der seinen Wert kennt und ausreizt. Auch deswegen kommt es fast zum Bruch mit Bayern, denn die Forderungen, die er an seinen Profi-Vertrag knüpft, sind seinem Arbeitgeber schlicht zu hoch. Doch dank seines Handlungsgeschicks unterschreibt Hoeneß nach zähen Verhandlungen im Oktober 1972 dann doch noch seinen Profi-Vertrag und bildet mit Breitner und Beckenbauer eines der stärksten Teams in der Geschichte der Bayern.

Uli Hoeneß mit Fieber zur WM

Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land 1974 legt sich Bundestrainer Helmut Schön bereits früh fest, als er sagt, dass Hoeneß der Star des Turniers würde. Doch so einfach sollte es nicht werden. Hoeneß vergibt viele Chancen. Als dann sogar die BRD das Prestigeduell gegen die DDR verliert, ist die deutsche Presse entsetzt. Das Urteil über Hoeneß' Leistung ist vernichtend: "Lief sich in der ersten Halbzeit halb tot und war vom Pech verfolgt. Nach der Halbzeit musste man Hoeneß auf dem Spielfeld suchen. Er war mausetot und nicht mehr zu sehen", recherchiert Max-Jakob Ost die damalige Einzelkritik nach dem DDR-Spiel.

Dennoch schafft es Deutschland ins Finale - wo ein "typischer Hoeneß", so sein ehemaliger Mitspieler Bernd Dürnberger im "11 Leben"-Podcast, fast den Triumph kostet: "Ich kann mich an das Endspiel 74 erinnern", so Dürnberger über Hoeneß, "wo er mit Fieber ins Endspiel ging." Und nach 60 Sekunden verursacht ein überehrgeiziger Hoeneß auch prompt den Elfmeter, der zum 1:0 für die Niederlande führt. Und dennoch: Deutschland dreht dieses Spiel und somit hat Hoeneß mit 22 Jahren jeden Titel gewonnen, den es zu holen gibt: DFB-Pokal, Meisterschaft, Europapokal, Europameister, Weltmeister.

Doch es ist nicht nur Glück, Ehrgeiz und Physis, in dem Max-Jacob Ost den einmaligen Erfolg von Hoeneß begründet sieht: Er spielt als Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff. Interpretiert jede Position, auf der er eingesetzt wird, nicht klassisch, sondern anders und neu. Er liefert, was man gegen tiefstehende Mannschaften braucht: Hoeneß bringt mit, was gebraucht wird: "Schnelle Antritte, Sprints in die Lücken der Verteidigung und eine hohe Ausdauer um den direkten Gegenspieler müde zu laufen", so Ost über das Erfolgsrezept von Hoeneß.

Ein Rezept, das nicht ewig halten soll, denn seine beste Zeit ist da fast vorbei und mit Bayern geht's bald um den Abstieg – dasgibt's dann in der nächsten Folge.

Der Podcast "11 Leben"

Zum Auftakt des neuen Podcast Formats "11 Leben" wird eine der spannendsten Figuren des deutschen Fußballs porträtiert: Uli Hoeneß. Zu Beginn nicht mehr als eine fixe Idee, wurde die Umsetzung für den Podcaster und Sportjournalisten Max-Jacob Ost größer als gedacht. Über zwei Jahre nun recherchiert, liest, telefoniert und interviewt er in akribischer Kleinarbeit, taucht in die Vergangenheit ein, schaut sich private wie auch berufliche Erfolge und Niederlagen ganz genau an. Und er versucht sich an der größten Herausforderung: Uli Hoeneß höchstpersönlich für "11 Leben" vor das Mikro zu bekommen.