"Stiftung Warentest" gibt klare Empfehlung

Pneumokokken-Impfung als Schutzmaßnahme gegen Corona: Für wen ist sie sinnvoll?

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© imago/Westend61, Mareen Fischinger, imago stock&people

29. April 2020 - 9:58 Uhr

Lieferengpässe bei Pneumokokken-Impfstoffen

Noch gibt es keine Impfung gegen das Coronavirus. Im Rahmen der Corona-Epidemie hatte das Bundesgesundheitsministerium im März 2020 vorrangig Senioren dazu aufgerufen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Dies führte zu Lieferengpässen bei den Pneumokokken-Impfstoffen, die bis heute anhalten. Im Zuge dessen hat die "Ständige Impfkommission" (STIKO) ihre Empfehlungen angepasst. Die Impfexperten der "Stiftung Warentest" haben die aktuellen Empfehlungen der STIKO geprüft und zusammengefasst, für wen eine Pneumokokken-Impfung wirklich sinnvoll ist.

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Was sind Pneumokokken und welche Symptome lösen sie aus?

Wie das Coronavirus auch, werden Pneumokokken durch Tröpfcheninfektion übertragen und befallen zuerst den Nasen-Rachen-Raum. Die Bakterien können beispielsweise Entzündungen der Nasennebenhöhlen, des Mittelohrs oder auch Hirnhautentzündungen auslösen. Zudem sind Pneumokokken der häufigste Erreger einer Lungenentzündung. So sind sie für 20 bis 50 Prozent aller, durch Bakterien verursachten, Lungenentzündungen bei älteren Menschen verantwortlich. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt, dass in Deutschland jährlich über 5.000 Menschen an einer Pneumokokken-Erkrankung sterben.

Schützt eine Pneumokokken-Impfung vor dem Coronavirus?

"Die Impfung schützt Risikogruppen zwar nicht vor den Coronaviren selbst, aber möglicherweise vor zusätzlichen Lungenentzündungen durch Pneumokokken, die den Krankheitsverlauf erschweren können", erklärt Dr. Judith Günther, Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und Mitglied des Expertenkreises zum Thema Impfen der "Stiftung Warentest".

Wer sollte sich vorrangig gegen Pneumokokken impfen lassen?

Bislang hat die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Erwachsenen ab einem Alter von 60 Jahren eine Impfung gegen Pneumokokken empfohlen. Diese sollte – je nach Gesundheitszustand und nach Rücksprache mit dem Hausarzt - nach sechs Jahren aufgefrischt werden.

Im Zuge der Corona-Epidemie und vor dem Hintergrund der Impfstoffe-Engpässe hat die "Ständige Impfkommission"(STIKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) ihre Empfehlungen für die Pneumokokken-Impfung nun jedoch angepasst. Der Grund dafür ist, dass wichtige Impfstoffe nur noch eingeschränkt lieferbar sind. Bevorzugt zu impfen sind daher laut RKI im Fall des Impfstoffs Pneumovax Patienten mit geschwächtem Immunsystem, Senioren ab dem Alter von 70 Jahren und Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen. Der Impfstoff Prevenar soll demnach ausschließlich für die Grundimmunisierung von Säuglingen verwendet werden.

"Stiftung Warentest" fasst Risikogruppen noch enger

Um die Ressourcen bestmöglich zu nutzen, fassen die Impfexperten der "Stiftung Warentest" die Gruppe sogar noch enger. Sie raten derzeit vorrangig Senioren mit Erkrankungen der Atmungsorgane, des Herzkreislaufsystems oder Diabetes sowie Menschen mit Immunschwäche und kleinen Kinder bis 2 Jahre zur Impfung.

Das gesamte Test-Ergebnis von Stiftung Warentest finden Sie hier.

(Quelle: Stiftung Warentest, 05/2020)

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