Pleite in Irland: Long zwingt DFB-Elf ins Endspiel

9. Oktober 2015 - 8:24 Uhr

Entscheidung vertagt: Die deutsche Nationalmannschaft hat das Ticket für die EM-Endrunde 2016 in Frankreich noch immer nicht gelöst. Im ausverkauften Aviva-Stadium in Dublin unterlag das Team von Bundestrainer Joachim Löw mit 0:1 gegen Irland und hat gegen Georgien nun plötzlich ein Endspiel vor der Brust.

Mats Hummels, Jonas Hector, Deutschland, Irland, Dublin
Viele Zweikämpfe, wenige Torchancen - das Spiel der DFB-Elf in Dublin war kein Fußball-Fest.
© dpa, Aidan Crawley

"Es war eine unerwartete und völlig unnötige Niederlage. Ich kann der Mannschaft vom Kämpferischen her keinen Vorwurf machen, aber man muss die Kaltschnäuzigkeit und Qualität besitzen, Tore zu machen", bilanzierte Löw und brachte es kurz nach dem Abpfiff auf den Punkt: "Wir waren feldüberlegen, wir haben aber aus dieser Überlegenheit nichts gemacht."

Ohne Kapitän Bastian Schweinsteiger, der sich im Abschlusstraining eine Verhärtung im linken Adduktorenmuskel zugezogen hatte, nahm die DFB-Auswahl zunächst das Heft in die Hand. Erst köpfte Jerome Boateng nach einer Ecke freistehend über das Tor (9.), dann wehrten die Hausherren einen Schuss von Ilkay Gündogan (13.) ab und klärten in höchster Not vor dem einschussbereiten Mario Götze (15.).

Die 'Boys in Green' legten das in die Waagschale, was sie seit jeher auszeichnet: Kampf, Leidenschaft und die nötige Härte in den Zweikämpfen. Ihre Taktik, den Weltmeister mit überfallartigen Angriffen auszukontern, bereitete den Gästen erst einmal keine wirklichen Probleme. Matthias Ginter, der auf der rechten Außenbahn für Emre Can in die Mannschaft gerückt war, und Jonas Hector auf links hatten wie erwartet die Räume, um offensiv Impulse zu setzen - was sich in der 1. Halbzeit aber noch nicht auszahlen sollte.

Nach dem flotten Beginn verflachte die Partie. Die Deutschen bissen sich am irischen Abwehrbollwerk zusehends die Zähne aus, weil es an Kreativität mangelte, fehlten folgerichtig auch die Torchancen. Spielerisch lief nur herzlich wenig zusammen, dazu kam ein personeller Aderlass: Götze verletzte sich bei einem Zweikampf an den Adduktoren und musste seinen Platz für Andre Schürrle räumen (35.).

Long avanciert zum Matchwinner

Shane Long, Irland, Deutschland, DFB, Dublin
Matchwinner in Dublin: Shane Long bejubelt seinen Treffer zum entscheidenden 1:0.
© REUTERS, Andrew Couldridge

Der gezwungene Wechsel hätte sich in der 2. Hälfte schnell auf der Anzeigetafel niederschlagen können, doch Schürrle setzte eine Volleyabnahme aus wenigen Metern weiter über das Tor (50.). In der Folge spielten die Gastgeber mutig mit, ohne sich allerdings gute Möglichkeiten herauszuspielen - bis zur 70. Minute: Nach einem langen Ball von Keeper Darren Randolph verloren Mats Hummels und Hector ein Laufduell gegen Shane Long, der das Leder unhaltbar für Manuel Neuer in die Maschen drosch.

Mit Wut im Bauch drängte die DFB-Elf auf den Ausgleich. Ein Kopfball von Hummels strich hauchdünn vorbei (72.), nach toller Kombination setzte Thomas Müller einen Schuss knapp über das Gehäuse (78.), bei einem Knaller von Boateng (81.) war Randolph genauso auf dem Posten wie beim Schuss von Gündogan (82.). "Wir hatten viele Chancen, mussten wenigstens einen machen. Dass wir hier ohne ein Tor wegfahren, ist eine Frechheit", befand Boateng.

Weil die Löw-Elf ihre Chancen liegen ließ und sich Polen in Schottland zeitgleich remis trennten, muss der Weltmeister am Sonntag gegen Georgien den letzten Punkt holen, um sich sicher für die EURO zu qualifizieren. Keeper Neuer hat da keine Bedenken: "Wir kennen die Konstellation, aber wir spielen für Deutschland und müssen gegen Georgien auf jeden Fall gewinnen."