Plastikmüll-Mafia im Aufwind

Illegaler Müllhandel nimmt weltweit zu

An immer mehr Orten in der Welt wird Plastikmüll illegal entsorgt. Foto: Christian Thompson/EPA/dpa
An immer mehr Orten in der Welt wird Plastikmüll illegal entsorgt. Foto: Christian Thompson/EPA/dpa
© deutsche presse agentur

27. August 2020 - 14:16 Uhr

Handel mit Plastikmüll boomt

Seit China 2018 seine Grenzen für Plastikmüll geschlossen hat, nimmt der illegale Handel und die illegale Abfallbeseitigung mit Plastikmüll weltweit rasant zu. Das geht aus einem heute veröffentlichtem Interpol Report hervor. Demnach werde der Plastikmüll statt nach China nun vor allem nach Südostasien exportiert und überfordere dort das lokale Müllmanagement.

Strafverfolgungsbehörden aus 40 Ländern ausgewertet

Zwischen 1992 und Januar 2018 hatte China demnach 45 Prozent des weltweiten Plastikmülls importiert. Viele der neuen Zielländer sind laut Interpol mit den großen Müllmengen überfordert. Die Folge sei, dass ein großer Teil der Exporte mit großer Wahrscheinlichkeit in illegalen Recyclinganlagen oder Deponien lande oder verbrannt werde.

In Vietnam werden demnach 88 Prozent des Mülls nicht fachgerecht abgefertigt. In Indien (87 Prozent) und Indonesien (83 Prozent) ist der Anteil ähnlich hoch. "Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Exportnationen möglicherweise eine künstlich hohe Recyclingrate für ihren Plastikmüll melden, während in Wahrheit weiterhin große Unsicherheiten bestehen, wie der nach Übersee verschiffte Abfall behandelt wird", heißt es in dem Bericht.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:
In Vietnam, Indien und Indonesien wird ein Großteil des Mülls nicht fachgerecht abgefertigt.
In Vietnam, Indien und Indonesien wird ein Großteil des Mülls nicht fachgerecht abgefertigt.
© dpa, Achmad Ibrahim, AI pat fgj

Der Importanstieg in vielen Ländern hat laut Interpol zu strengeren Regulationen und Grenzkontrollen geführt. Viele asiatische Länder hätten seit 2018 verstärkt die Rückführung von illegalen Containern mit Plastikmüll verlangt. Interpol geht daher von einem "Domino-Effekt" und der Umleitung des Abfalls in neue südostasiatische Länder aus. Auch afrikanische und lateinamerikanische Länder könnten sich demnach zu Importeuren entwickeln.

Deutschland ist weltweit drittgrößter Exporteur von Plastikmüll

Das macht auch uns zu einem Treiber der kriminellen Machenschaften in Südostasien. "Die einzige Lösung des Problems ist, deutlich weniger Plastikmüll zu produzieren und ihn hier in Deutschland zu recyceln", so Bernhard Bauske, Projektkoordinator Plastikmüll bei WWF. Die Umweltschutzorganisation reagierte entsetzt auf den Bericht über die "Müll-Mafia" und verlangte einen Exportstopp von Plastikmüll. "Außerdem brauchen Länder, die gerade von unserem Plastikmüll geflutet werden, Unterstützung beim Müllmanagement, etwa durch ein internationales Abkommen gegen Plastikmülleintrag in die Meere", sagte Bauske.

Das Bundesumweltministerium betonte, man müsse zwischen gut sortierten Kunststoffen, die wertvolle Rohstoffe seien, und verschmutzten und unsortierten Plastikgemischen unterscheiden. Bei letzteren sei das Risiko größer, dass sie in Importländern illegal in die Umwelt gelangten, weil das Recycling mühsamer sei. Deutschland habe sich daher auf europäischer und internationaler Ebene für strengere Regeln beim Export von Kunststoffen eingesetzt.

Die einzige Lösung des Problems ist, deutlich weniger Plastikmüll zu produzieren und ihn hier in Deutschland zu recyceln.
Die einzige Lösung des Problems ist, deutlich weniger Plastikmüll zu produzieren und ihn hier in Deutschland zu recyceln.
© dpa, Patrick Pleul, ppl;cse gfh nwi kri pil

"Ab dem 01.01.2021 gilt die verschärfte Regelung aus dem internationalen Baseler Abkommen. Dann dürfen Kunststoffabfälle, die vermischt sind, nicht mehr frei gehandelt werden", sagte ein Sprecher der dpa. Das Basler Übereinkommen werde derzeit von der Europäischen Kommission in eine bestehende EU-Verordnung eingearbeitet und gelte dann in allen Mitgliedstaaten unmittelbar.

Jeder Deutsche produziert im Jahr durchschnittlich 617 Kilo Müll im Jahr – das sind ganze 130 Kilo mehr als der durchschnittliche EU-Bürger. Um den eigenen Müllverbrauch zu reduzieren, kann jeder Einzelne Kleinigkeiten an seinem Konsumverhalten und im Alltag verändern. Hier haben wir ein paar simple Tipps zusammengestellt, mit denen man weniger Müll verursacht.