Mutter entsetzt über katholische Schule

Makabre Hausaufgabe: „Plane deine Beerdigung!“

23. Juni 2020 - 18:13 Uhr

„Welchen Sarg würdest du gern haben?“

Gemma Marston aus Leicester (England) muss den Zettel, den ihr 13-jähriger Sohn während des Corona-Lockdowns von seiner Schule bekommen hat, zweimal lesen. Doch die Aufgabe ist klar: "Plane deine Bestattungs-Aktivitäten". Von der Musik über den Sarg bis zu der Frage, ob sie begraben oder verbrannt werden wollen – die Schüler sollen aufschreiben, wie es nach ihrem Tod weitergehen soll. Für Gemma ein absolutes No-go: Auf Facebook macht sie sich ihrem Ärger über die Entscheidung der Schule Luft. Den makabren Aufgabenzettel sehen Sie im Video.

Corona bringt schon genug Sorgen und Ängste

"Welche Art von Sarg würdest du gern haben?", "Wie soll gefeiert werden?", "Wer soll dabei sein?", "Wo soll dein Leichnam begraben werden? Deine Asche verstreut?" – solche Fragen sind für viele Erwachsene schon schwer zu beantworten. Für einen Teenager von 13 Jahren können sie schlicht traumatisierend sein, fürchtet Gemma. "Ich war außer mir vor Wut, gelinde gesagt", so die 34-Jährige im britischen "Mirror".

Vor allem zu Zeiten von Corona hält sie so eine Aufgabe für absolut unangebracht: "Kinder erleben im Lockdown schon genug Trauma und Angst. Da müssen sie nicht noch an die eigene Sterblichkeit erinnert werden. Man stelle sich vor, mein Sohn hätte Großmutter oder Großvater verloren und würde trauern. Gleichzeitig über die Pläne für seine eigene Beerdigung nachdenken zu müssen, das ist einfach ekelhaft."

Auf Facebook pflichten ihr Hunderte User bei, darunter auch eine Lehrerin: "So was würde ich nicht machen. Manche Kinder sind für Dinge, die mit dem Tod und Bestattungen zu tun haben, sehr empfänglich. So was kann für Schüler sehr triggernd sein."

Schule entschuldigt sich für „Verwaltungsfehler“

Die St. Paul's Catholic School hat sich laut "Mirror" inzwischen entschuldigt und erklärt, die Aufgabe sei aus Versehen an zwölf Schüler versendet worden. "Die Schule erkennt voll an, dass es nicht angebracht war, das ohne die Unterstützung des Unterrichts, der dieses sehr sensible Thema normalerweise begleitet, zu versenden. Wir entschuldigen uns ausdrücklich für dieses Versehen." Keine der zwölf betroffenen Familien habe die Schule nach dem Erhalt der Aufgabe kontaktiert, der Leiter des Religionsunterrichts habe sich bei allen aber persönlich am Telefon entschuldigt, als der "Verwaltungsfehler" aufgefallen war.

Mutter fordert Einverständnis der Eltern beim Thema Tod

Gemma, die Mutter von zwei weiteren Kindern ist, hofft, dass die Verantwortlichen aus diesem Fehler lernen: "Schulen benötigen das Einverständnis der Eltern, wenn sie Sexualkunde mit Schülern besprechen, aber ich finde, sie brauchen auch das Einverständnis, wenn es um Themen mit Bezug auf den Tod geht", so ihre Forderung. "Ich verstehe, dass Schulen den Tod als Teil des Religionslehrplans besprechen müssen, aber ein 13-jähriges Kind, das über die Planung seiner eigenen Beerdigung nachdenken soll, das ist erschreckend."

Wie können Eltern mit ihren Kindern über Tod und Trauer reden? In unserem Interview gibt eine Traumatherapeutin Antworten.