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Plagiatsjäger beanstanden Doktorarbeit von Ministerin von der Leyen

Plagiatsjäger beanstanden Doktorarbeit von Ministerin von der Leyen

Die Dissertation wird überprüft

Plagiatsjäger werfen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Regelverstöße in ihrer medizinischen Doktorarbeit vor. Die 1990 erschienene Arbeit enthalte "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind", heißt es auf der Internetseite 'VroniPlag Wiki', wo Nutzer ihre Erkenntnisse zusammentragen. Bisher seien auf 27 der insgesamt 62 Textseiten Plagiatsfundstellen dokumentiert. Zuerst hatte 'Spiegel Online' darüber berichtet.

Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieht sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert.
dpa, Kay Nietfeld

Ein Ministeriumssprecher teilte mit, von der Leyen wisse seit August davon. "Die Ministerin weist den Vorwurf nicht nur zurück - sie hat noch am selben Tag die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle der Einrichtung überprüfen zu lassen". Diese unabhängige Überprüfung sei ihr auch zugesagt worden. Die Hochschule war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Von der Leyens Sprecher erklärte, es sei "nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen namhafter promovierter Politiker zu streuen". Aus den Auswertungen auf 'VroniPlag Wiki' geht hervor, dass drei der beanstandeten Seiten zwischen 50 und 75 Prozent Plagiatstext enthalten und fünf Seiten mehr als 75 Prozent. Der Juraprofessor Gerhard Dannemann von der Berliner Humboldt-Universität, der seit Jahren bei 'VroniPlag' mitarbeitet, sagte 'Spiegel Online', von der Leyens Arbeit sei "eher ein mittelschwerer als ein schwerer Fall".

Problematisch finde er allerdings die 23 gefundenen Fehlverweise, also Hinweise auf Quellen, in denen der zitierte Inhalt gar nicht zu finden sei. "Das ist im medizinischen Bereich besonders gefährlich". Von der Leyen promovierte im Bereich Frauenheilkunde. Der Titel der Arbeit lautet: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung".

Doktorarbeiten von Prominenten im Visier

Unregelmäßigkeiten in Dissertation brachten schon mehrere Politiker in Bedrängnis. In einigen Fällen kam es zum Verlust des Doktortitels und zu Rücktritten aus wichtigen Ämtern. Wenige Tage nach dem Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf trat die damalige Bundesbildungsministerin Anette Schavan im Februar 2013 zurück. Die Uni war zu dem Ergebnis gekommen, dass die CDU-Politikerin gut 30 Jahre zuvor "systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte". Schavans Klage wies das Bundesverwaltungsgericht im März 2014 zurück.

Im Februar 2011 sorgten auch bei Karl-Theodor zu Guttenberg viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit für Aufsehen. Wenig später erkannte die Universität Bayreuth dem CSU-Politiker und früheren Verteidigungsminister den Titel ab. Nach Protesten der Opposition und aus der Wissenschaft trat Guttenberg im März 2011 als Minister zurück. Die Uni erklärte in ihrem Abschlussbericht, er habe für seinen 2007 erworbenen Doktortitel vorsätzlich getäuscht.

Plagiatsvorwürfe gegen den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer haben sich nach Prüfung der Dissertation durch die Prager Karls-Universität nicht bestätigt. Das teilte die Hochschule im Oktober 2014 mit. Scheuer hatte in Prag 2004 ein "kleines Doktorat" erworben. Da die akademischen Standards beider Länder nicht vergleichbar sind, darf er den "Dr." nicht landesweit, sondern nur in Berlin und Bayern führen. Nachdem er wegen der Verwendung auch anderswo kritisiert wurde, verzichtet Scheuer nun ganz auf Führen des Titels.