'Pjöngjang'-Zeit: Nordkorea dreht die Uhren offiziell zurück

16. August 2015 - 8:46 Uhr

Pjöngjang will Vermächtnis der Kolonialzeit eliminieren

Begleitet von Glockenschlägen und Sirenen hat Nordkorea die Uhren des Landes offiziell um eine halbe Stunde zurückgedreht. Ab Mitternacht gelte die neue 'Pjöngjang'-Zeit als neue Standardzeit, berichteten die staatlichen Medien des weithin abgeschotteten Landes. Mit dem vorher angekündigten Schritt feierte Nordkorea die Befreiung der koreanischen Halbinsel von japanischer Kolonialherrschaft vor 70 Jahren.

Nordoreas Machthaber Kim Jong-un
Nordoreas Machthaber Kim Jong-un hat eine neue Zeitzone eingeführt.
© dpa, Rodong Sinmun

Die Glocke an der Sternwarte in Pjöngjang habe geläutet, "wie sie es zur Freude der Koreaner getan hatte, als sie den Neujahrstag nach der Befreiung des Landes begrüßten", hieß es. Der Zeitunterschied zur MESZ hatte vorher in Nordkorea wie in Südkorea und Japan sieben Stunden oder UTC (Weltzeit) plus neun Stunden betragen. Japan hatte Korea während seiner Kolonialherrschaft (1910-45) seine Zonenzeit aufgezwungen. Mit dem Schritt will Nordkorea nach eigenen Angaben ein Vermächtnis der Kolonialzeit eliminieren.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye warnte vor dem Schritt

Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte 1997 eine eigene Zeitrechnung eingeführt, die nach der Staatsideologie Juche bezeichnet wird. Der Kalender beginnt 1912, mit dem Geburtsjahr des früheren Staatschefs und Kim Il Sung, dem Großvater von Kim Jong Un. Das Regime zählt 2015 auch als Juche 104. Allerdings wird parallel dazu auch die sonst weltweit verbreitete Zeitrechnung benutzt.

Auch Südkorea hatte von 1954 bis 1961 die Uhren um 30 Minuten auf seine eigene Zeit zurückgedreht, die vor der Kolonialzeit vorübergehend koreanische Normalzeit war. Nach dem Militärputsch von 1961 wurde die Zeit wieder umgestellt.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hatte diese Woche gewarnt, dass der jetzige einseitige Schritt Nordkoreas die Trennung beider Koreas vertiefen könne. Kurzfristig befürchtet Südkorea vor allem Probleme beim Pendelverkehr zum gemeinsamen Industriekomplex in der grenznahen nordkoreanischen Stadt Kaesong. Der Schritt Nordkoreas ist nicht beispiellos. Auch Länder wie Indien, der Iran und Myanmar haben Zeitunterschiede von 30 Minuten zu den Nachbarländern.

Nordkoreas Regime feierte den Befreiungstag unter anderem mit Huldigungen an die seit Jahrzehnten herrschende Kim-Dynastie. Kim Jong Un sei der "große Leitstern", der sich wie seine Vorgänger für die nationale Wiedervereinigung einsetze, hieß es in einem "Memorandum" zum 70. Jahrestag. Kim, der Anfang 30 sein soll, herrscht seit dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011 über das verarmte, aber hoch gerüstete Land.