Pisa-Test: Deutsche Schüler erstmals über dem Durchschnitt

22. Februar 2016 - 14:07 Uhr

Mädchen in Mathe deutlich schlechter als Jungen

Die deutschen Schüler haben ihre Leistungen im Pisa-Vergleichstest in den vergangenen zehn Jahren erheblich verbessert. In allen Bereichen wie Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften lägen die deutschen Jugendlichen nach fünf solcher Tests erstmals über dem Durchschnitt der 34 OECD-Staaten, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit. In Mathematik - dem Schwerpunkt dieser weltweiten Erhebung - erzielten die deutschen Schüler gar 20 Punkte mehr als der Durchschnitt. International liegen die deutschen Leistungen damit im oberen Mittelfeld.

Pisa Studie Deutschland besser
Die deutschen Schüler verbesserten sich in allen Bereichen.
© dpa, Armin Weigel

Im Vergleich zu 2003, als ebenfalls Mathematik im Zentrum des Pisa-Tests stand, verbesserte sich das Ergebnis für Deutschland um elf Punkte. Vor allem leistungsschwache und sozial benachteiligte Schüler hätten um einiges besser abgeschnitten als noch vor zehn Jahren. Problematisch sei allerdings der Geschlechterunterschied, sagte Bildungsdirektorin Barbara Ischinger. In Deutschland wie auch im OECD-Mittel schnitten Mädchen deutlich schlechter in Mathe ab als Jungen.

Jungen sind mit ihren Mathe-Fähigkeiten gleichaltrigen Mädchen im Schnitt ein knappes halbes Schuljahr voraus. Der Vorsprung der Jungen hat sich im Vergleich zu früheren Pisa-Tests sogar noch vergrößert. Mädchen sind generell der Mathematik gegenüber negativer eingestellt. Ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist geringer, ebenso ihre Motivation und Lernausdauer.

Die Verbesserungen reichen dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) noch nicht. Er drängt auf einen besseren Mathematikunterricht. Zwar belegten Firmenumfragen eine leichte Verbesserung bei den Schulabgängern. Gleichwohl sei die Unzufriedenheit der Unternehmen über unzureichende Mathe-Kenntnisse mit 45 Prozent noch viel zu hoch, sagte DIHK-Vizehauptgeschäftsführer Achim Dercks dem 'Handelsblatt'.

Etwas bessere Aufstiegschancen für sozial Benachteiligte

Das nur äußerst mäßige deutsche Abschneiden vor allem bei Lesen/Textverständnis beim ersten Test im Jahr 2000 hatte in der Öffentlichkeit den Pisa-Schock ausgelöst. Die Kultusminister hatten daraufhin zahlreiche Schulreformen auf den Weg gebracht, unter anderem einheitliche Bildungsstandards für alle 16 Bundesländer.

Die amtierende Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat die Ergebnisse des neuen Leistungsvergleichs als Zeichen einer erfolgreichen Entwicklung gewertet. "Deutschland hat sich nicht nur schocken lassen, sondern auch wecken lassen durch Pisa", sagte sie. In den Naturwissenschaften hätten deutsche Schüler den Aufstieg in die Spitzengruppe geschafft. In Mathematik seien mit Japan, Korea, den Niederlanden, Estland und der Schweiz "nur fünf Länder, die besser sind als Deutschland". Die neuen Ergebnisse zeigten auch für die Leistungsschwächeren aus sozial benachteiligten Schichten "eine Aufstiegsdynamik in den letzten Jahren".

Die in Deutschland ausgeprägte Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft hat sich allerdings nur leicht abgeschwächt. Schüler aus sozial bessergestellten Familien haben in Mathematik im Schnitt einen Leistungsvorsprung von 43 Punkten gegenüber Gleichaltrigen aus armen Elternhäusern – was fast eineinhalb Schuljahren entspricht. Bei Schülern mit Migrationshintergrund zeigt sich ein ähnliches Bild: Ihr Kenntnisrückstand zu gleichaltrigen Schülern mit deutscher Herkunft liegt im Schnitt bei 54 Punkten, das sind fast zwei Schuljahre.

Mehr als eine halbe Million Schüler zwischen 15 und 16 Jahren aus insgesamt 65 Staaten hatten an der weltweiten Studie im vergangenen Jahr teilgenommen. Pisa-Sieger sind erneut die asiatischen Regionen Shanghai, Singapur, Hongkong und Taipeh. 15-Jährige aus diesen Ländern sind Gleichaltrigen aus Deutschland allein in Mathematik um zwei bis drei Schuljahre voraus. Aber auch die Schüler aus Liechtenstein, der Schweiz und den Niederlanden finden sich in der weltweiten Leistungstabelle unter den zehn Erstplatzierten.