Die Ergebnisse der Pisa-Studie

Deutschlands Schüler liegen im Mittelfeld - mit großem Abstand zu den Spitzenreitern

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3. Dezember 2019 - 10:36 Uhr

Deutschlands Schüler wieder schlechter

Die Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie sind da: Der große Pisa-Schock bleibt zwar aus - aber richtig gut sind die Ergebnisse bei weitem nicht. Zwar haben die Schülerinnen und Schüler in Deutschland beim Leseverständnis und der Mathematik leicht besser abgeschnitten als der OECD-Durchschnitt, bei den Naturwissenschaften sogar deutlich besser. Insbesondere in der Mathematik und den Naturwissenschaften verschlechterten sich jedoch die Ergebnisse gegenüber früheren Pisa-Erhebungen. Und der Abstand zur Spitzengruppe in Europa und Asien mit Singapur, Hongkong, Japan, Estland, Kanada oder Finnland bleibt weiterhin groß.

Auch ein weiterer Faktor bleibt nach wie vor gleich: Die soziale Herkunft bestimmt in Deutschland in stärkerem Maß über den Bildungserfolg als im Durchschnitt der anderen OECD-Länder.

Lesekompetenz stand im Fokus

Die Pisa-Studie ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Zum siebten Mal hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weltweit hunderttausende Schüler im Alter von 15 Jahren in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften getestet. Dieses Mal nahmen rund 600.000 Schülerinnen und Schüler aus 79 Ländern teil, in Deutschland knapp 5500.

Schwerpunktmäßig wird jeweils ein Bereich stärker abgefragt. Diesmal ging es vor allem um die Lesekompetenz. Die Jugendlichen in Deutschland erzielten dabei 498 Punkte - 2015 erreichten deutsche Schüler noch 509 Punkte. Damit liegt Deutschland beim Lesen unter den insgesamt 79 teilnehmenden Ländern auf Platz 20.

Auch bei den Naturwissenschaften gingen die Leistungen leicht zurück. Im Ranking aller teilnehmenden Länder liegt Deutschland hier auf Platz 15 - gemeinsam mit Australien und den Niederlanden. Im Bereich Mathematik landen die deutschen Schüler im internationalen Vergleichauf Platz 20.

Die besten Ergebnisse erzielten Schüler aus vier chinesischen Provinzen, gefolgt von Schülern aus Singapur. Estland landete als bester europäischer Staat auf Platz fünf, Deutschland erreichte mit großem Abstand auf die stärksten Länder Rang 20 von 77.

Beim Lesen haben Mädchen die Nase vorn

In Deutschland - so wie auch in allen anderen OECD-Staaten - sind die Mädchen bei der Lesekompetenz deutlich besser als die Jungen. In Mathe sind die Jungen vorne. Bei den Naturwissenschaften sehen die Autoren in Deutschland keine Unterschiede. Besonders bedenklich: jeder fünfte 15-Jährige hat beim Lesen nur ein sehr geringes Leistungsniveau erreicht. Das heißt, er oder sie kann mit ganz einfachen Leseanforderungen nicht umgehen. Auch in Mathe und Naturwissenschaften liegt der Anteil der leistungsschwachen Schüler bei rund 20 Prozent.

​Bei den Tests, die die Schüler absolvieren mussten, wurde auch das Thema "Lesefreude" abgefragt. Dabei wird sichbar, dass das Interesse der Jugendlichen am Lesen in den letzten zehn Jahren deutlich abgenommen hat. 34 Prozent der deutschen Schüler gaben an, dass Lesen für sie Zeitverschwendung sei.

Altbekanntes Problem Chancengleichheit

Und auch ein weiteres altbekanntes Problem in Deutschland wird von den Autoren der Studie kritisiert: Der Schulerfolg hängt in Deutschland weiterhin von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler ab. Privilegierte Schüler hätten einen deutlichen Leistungsvorsprung zu denen, die "sozioökonomisch benachteiligt" seien, so die Autoren. 

Wie immer fragte die Pisa-Studie kaum gelerntes Wissen ab, sondern untersuchte hauptsächlich, ob Schülerinnen und Schüler in der Lage waren, Wissen anzuwenden, Fakten von Meinungen zu unterscheiden, Informationen zu verknüpfen und eigene Lösungswege zu finden - Schüsselqualifikationen in einer zunehmend digitalisierten Welt. 

"Menschen mit niedrigen Basiskompetenzen laufen heute mehr denn je Gefahr, ausgegrenzt zu werden", so OECD-Vizegeneralsekretär Ludger Schuknecht bei der Vorstellung der Studie in Berlin. "Die Pisa-Ergebnisse sind deshalb eine dringende Aufforderung, in der Schule niemanden zurückzulassen, sondern allen Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen zu vermitteln, die sie brauchen, um in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu bestehen."