Pisa-Bilanz: Jeder fünfte Schüler gilt als leistungsschwach

12. Februar 2016 - 9:29 Uhr

Sozialer Hintergrund entscheidet über Schulversagen

Nach dem Pisa-Schock vor 15 Jahren hat sich das Bildungssystem hierzulande entwickelt. Deutsche Schüler haben ihre Leistungen verbessert, es gibt weniger Schulversager. Dennoch ziehen Experten in einer Sonderauswertung der Daten der PISA-Tests bis 2012 eine traurige Bilanz: In Deutschland gilt immer noch fast jeder fünfte 15-jährige Schüler als zumindest teilweise äußerst leistungsschwach.

Pisa-Bilanz: Jeder fünfte Schüler gilt als leistungsschwach
Das Bildungssystem in Deutschland wurde ausgebaut, dennoch gilt jeder fünfte jugendliche Schüler als leistungsschwach in den naturwissenschaftlichen Fächern.
© dpa, Marijan Murat

Die Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nahm die Gruppe der 'Low Performer', der Leistungsschwachen, in den Blick. Das sind Schüler, die bei Mathematik, Naturwissenschaften oder Lesen/Textverständnis in PISA-Test teils deutlich unter dem Kompetenzlevel 2 (von insgesamt 6) liegen. "Kompetenzniveau 1 - das sind wirklich allereinfachste Aufgaben", etwa beim Lesen simple Informationen aufzunehmen und beispielsweise einen Beipackzettel zu verstehen, so die OECD.

Unter den 15-Jährige in Deutschland erreichten gut 140.000 im Fach Mathematik bestenfalls das Kompetenzniveau 1, fast 70.000 Getestete waren sogar schwach in allen drei PISA-Vergleichsfeldern (Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen und Textverständnis).

"Es gibt einen relativ hohen Anteil Schüler, die nicht einmal dieses elementarste Niveau erreichen", sagte OECD-Chefkoordinator Andreas Schleicher. Gleichwohl habe sich bei den Problemschülers "einiges bewegt". Und dies sei auch messbar. So ging der Anteil der Mathe-Schwachen zwischen PISA 2003 und 2012 um vier Prozentpunkte auf 18 Prozent zurück, in Lesen/Textverständnis um acht Punkte auf 14 Prozent. In Naturwissenschaften veränderte sich jedoch seit 2006 nichts mehr zum Positiven, der Problemschüler-Anteil lag zuletzt noch bei 12 Prozent.

Schwache Schulleistungen seien "nicht das Ergebnis eines einzelnen Risikofaktors, sondern einer Kombination von mehreren Hindernissen und Benachteiligungen", so das Fazit der OECD-Studie. Die Bildungsforscher benennen aber auch Gründe, weshalb jugendliche Schüler die einfachsten Aufgaben nicht lösen können: Der soziale Hintergrund eines Jugendlichen sei ein entscheidender Risikofaktor für Schulversagen. Abhilfe könnten Maßnahmen wie frühkindliche Bildung, frühe Leistungsdiagnostik, verbindliche Bildungsstandards, mehr Ganztagsschulen sowie eine intensivere Aus- und Weiterbildung für Lehrer schaffen.

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