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Pharma-Skandal in Dresden: Grippeviren über 14 Jahre im öffentlichen Abwassersystem gelandet

Pharma-Skandal in Dresden: Grippeviren über 14 Jahre ins öffentliche Abwassersystem geleitet

Pfusch am Bau verursachte die Verunreinigung

Eine gruselige Vorstellung: In Dresden sind Grippeviren aus der Impfstoffproduktion des Pharmaherstellers 'GlaxoSmithKline' (GSK) über insgesamt 14 Jahre in das öffentliche Abwassersystem der Stadt gelangt. Grund dafür war ein fehlerhafter Anschluss.

Fehlerhafter Anschluss über Jahre unentdeckt

Die Herbstsonne scheint am Montag (19.10.2009) in Dresden auf die Fassade des Serumwerkes von GlaxoSmithKline. In Deutschland hat die Verteilung des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe begonnen. Pünktlich um 7.00 Uhr seien am Montag die ersten Dosen
Das Serumwerk 'GSK' in Dresden.
mh/hg, picture-alliance/ dpa, Matthias Hiekel

Über mindestens 14 Jahre wurden Grippeviren aus einem Impfstoff in das Abwasser geleitet, teilten das Umweltministerium und die Stadt Dresden mit. "Zwischen 2001 und 2003 wurden Rohre nicht korrekt angeschlossen, obwohl alles in Bauplänen korrekt verzeichnet war. Wir bedauern den Vorfall, werden ihn vollständig aufarbeiten", sagte GSK-Sprecher Markus Hardenbicker zu 'bild.de'. Das Unternehmen hat sich außerdem bei den zuständigen Behörden selbst angezeigt.

Der Fehler im Abwassersystem sei bei Bauarbeiten am 7. Juli entdeckt und kurze Zeit später behoben worden, schrieb GSK in einer Stellungnahme. "Zudem wurde das Leitungssystem für alle betroffenen Abwässer aus der Produktion des gesamten Werkes vollständig überprüft und deren korrekte Anbindung bestätigt", heißt es weiter. Zwei Bodeneinläufe waren nicht an die Abwasser-Aufbereitung angeschlossen. Die Leitung ging direkt an die Kanalisation. Normalerweise muss das Abwasser eines solchen Unternehmens speziell behandelt werden.

Keine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt

Laut GSK gab es zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung oder die Umwelt. "Bei den im Werk genutzten Impfviren handelt es sich um für die Produktion angepasste Virustypen. Diese sind in ihren Eigenschaften so abgeschwächt, dass sie im Abwasser Menschen und Tiere nicht krank machen und sich auch nicht vermehren können, selbst wenn sie dort überleben sollten", heißt es in der Stellungnahme des Pharmaunternehmens. Das Unternehmen stehe in engem Kontakt zu den zuständigen Behörden und wolle den Fall nun aufarbeiten.

Auch die Stadt Dresden gab Entwarnung: „Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes bestand für die Bevölkerung von Dresden, auch für die unmittelbare Nachbarschaft des Unternehmens, keine Gefahr, sich mit den Influenza-Viren aus dem Abwasser anzustecken“, erklärt Pressesprecher Kai Schulz in einer Stellungnahme.

Außerdem wurden nach Bekanntwerden des Vorfalls sämtliche Influenza-Patienten im Dresdener Stadtgebiet untersucht. Diese Fälle stünden aber in keinem Zusammenhang mit dem Impfstoff von 'GSK', sagte Schulz. "Insbesondere außerhalb der Influenza-Saison sind die Fallzahlen völlig unauffällig."

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Gründe für die Einschätzung des Gesundheitsamtes

Bei der Produktion von Grippe -Impfstoffen werden die Virusstämme verändert und haben dann eine viel geringere krankmachende Wirkung als die üblichen Wildviren. Diese sogenannten Saarviren für die Herstellung von Impfstoffen werden von der WHO aus speziellen Laboren bereitgestellt. Außerdem werden Influenzaviren üblicherweise über eine sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen. Das bedeutet, dass die Ansteckung über Abwasser ist sehr unwahrscheinlich ist.

Influenzaviren sind zudem für Umwelteinflüsse und Chemikalien nicht stabil genug: Beim Verschlucken von mit Influenzaviren belastetem Abwasser würden die Viren durch die Magensäure inaktiviert. Die können sich nur in lebenden, infizierten Zellen vermehren. Durch das Wasser im Abwasserkanal kommt es zu einer erheblichen Verdünnung der Viren.