2016 M11 18 - 15:34 Uhr

Je mehr verschrieben wird, desto mehr verdienen die Arzneihersteller

575 Millionen Euro hat die Pharmabranche 2015 in Ärzte und medizinische Einrichtungen in Deutschland investiert. Warum machen die Unternehmen das? Sie können viele ihrer Produkte nur verkaufen, wenn Ärzte sie verschreiben. Je mehr verschrieben wird, desto mehr wird auch verdient. Die RTL-Reporter Alexander Römer und Maik Meuser haben nachgeforscht, wie groß der Einfluss auf die Mediziner mittlerweile ist und was das für uns Patienten bedeutet.

Patienten, die unnötig Medikamente einnehmen - im besten Fall hilft das Mittel einfach nicht, doch im schlimmsten Fall drohen unnötige Nebenwirkungen. Ist das eine Folge des Einflusses der Pharma-Industrie auf die Ärzte? Tatsächlich sind die Mediziner für die Pharmahersteller wichtig: Je mehr sie verschreiben, desto mehr Medikamente können verkauft werden. Sie stehen also im Visier der Branche.

So wie Dr. Fahmy Aboulenein. Der Neurologe aus Wien wurde Opfer eines Anwerbeversuches durch ein deutsches Pharmaunternehmen. Man wollte ihm 1.500 Euro zahlen - für ein Zitat, mit dem Werbung für ein Medikament gemacht werden sollte. Entgegen seiner fachlichen Meinung stand dort, dass Aboulenein es begrüßen würde, das Medikament generell frühzeitig einzusetzen. "Für mich heißt das Bestechung. Täuschen, betrügen, bestechen", sagt Aboulenein.

Aber auch auf gesetzlich vorgeschriebenen Fortbildungen für Ärzte versucht die Industrie Einfluss zu nehmen. Wir haben versteckt auf einer Veranstaltung für Mediziner in Frankfurt gedreht. Neun von zehn solcher Fortbildungen, die Ärzte verbindlich besuchen müssen, werden mittlerweile von Pharmaunternehmen gesponsert, sagen Experten.