Situation während Corona

Pflegerin auf Intensivstation: "Täglich zwei bis drei Menschen in schwarze Tüten packen"

Die Lage auf den Intensivstationen wird immer ernster.
Die Lage auf den Intensivstationen wird immer ernster.
© dpa, Christophe Gateau, cgt vco

16. April 2021 - 7:51 Uhr

Kaum noch freie Intensivbetten

Die Zahl der freien Intensivbetten sinkt: 14 Prozent sind es nur noch in den meisten Regionen Deutschlands, teilweise sogar nur 10 Prozent. Was das für den Alltag von Medizinerinnen und Medizinern auf Corona-Stationen bedeutet, kann man sich nur schwer im vollen Ausmaß vorstellen. Eine Pflegerin berichtet von ihrem Alltag in einem Klinikum während Corona und erzählt von der physischen wie psychischen Belastung für die Angestellten.

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Von der Physiotherapeutin zur Krankenpflegerin

Manuela Bolduan (57)
Manuela Bolduan (57)
© RTL

Manuela Bolduan (57) ist eigentlich Physiotherapeutin und doch ist sie am Donnerstagmittag vor dem Berliner "Vivantes-Klinikum" dabei, als SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz der Klinik einen Besuch abstattet. Bolduan hilft zurzeit nämlich im Klinikum in der Krankenpflege aus, weil die Situation dort so schlimm ist und Kräfte an allen Ecken und Enden fehlen. Und dies möchte sie an die Politiker – in diesem Fall Scholz – weitergeben. Dass es mehr Pflegekräfte geben und deren Lage von der Politik auch beachtet werden müsse. Das jedenfalls steht auf dem mitgebrachten Stoffbanner.

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Psychische Angst

Viele Pfleger hätten schon selbst "Corona durchlebt", sind selber erkrankt oder mussten in Quarantäne, weil sie sich auf der Arbeit infiziert hatten. Man "hat psychisch Angst selbst zu erkranken", so Bolduan über ihren Arbeitsalltag. Viel schlimmer aber noch: der ständige Umgang mit dem Tod. Eine Krankenschwester habe ihr berichtet, dass sie lange krankgeschrieben werden musste: "Sie ist wirklich sehr sehr schwer betroffen gewesen. Täglich 2-3 Menschen in eine schwarze Tüte zu packen". Angehörige können sich nicht verabschieden, das sei "herabwürdigend" den Menschen gegenüber, sagt Bolduan.

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Appell an die Politik

Da fällt der Appell an die Politik einfach aus: "Dass mal jemand sagt: Jetzt ist Schluss. Jetzt machen wir das. Wir ziehen das jetzt durch. Alle eiern nur rum". Eine Entscheidung müsse her, sonst würde es immer so weiter gehen und wir im schlimmsten Fall sogar in eine Triage-Situation kommen. Dass also zwischen Patienten entschieden werden muss, wem kann geholfen werden und wen muss man tatsächlich sterben lassen. Auch Scholz sieht das so "Eins ist ganz klar: Wir müssen handeln. Die Lage ist ernst", sagt er in seinem Statement nach dem Klinikbesuch. Bisher sieht es in der Politik allerdings noch nicht nach "Handeln" und "Entscheiden" aus. Zwar ist ein "Bundes-Notbremsen-Gesetz" auf dem Weg, aber juristische, wie bürokratische Steine liegen diesem noch im Weg und ob es am Ende dann den gewünschten Effekt hat, bleibt abzuwarten. Ansonsten befürchtet auch Aushilfspflegerin Bolduan: "dass das alles zusammenklappt".