Daran mangelt es in deutschen Kliniken

Bis zu zehn Kinder in einer Stunde: Krankenschwester arbeitet am Limit

07. Februar 2020 - 18:28 Uhr

Pflegenotstand auch in anderen Kinderkrankenhäusern

Laut eines Medienberichtes soll die Berliner Charité ein an Leukämie erkranktes Kind abgelehnt haben. Kurz danach sei das Kind verstorben. "Man kann es nie wissen, aber vielleicht wäre das Kind noch am Leben, wenn wir es rechtzeitig hätten übernehmen können", soll ein Kinderarzt einem ARD-Magazin berichtet haben. Die Klinik wies die Vorwürfe am Freitag strikt zurück. Viele Krankenhäuser in Deutschland stehen vor ähnlichen Problemen. Kinderkrankenschwester Alice Hüting arbeitet im Lukaskrankenhaus Neuss und berichtet im Video von ihrem harten Job: "Die Station ist gerappelt voll".

Bis zu zehn Kinder in einer Stunde

Die Mutter der frühgeborenen Nikita spielt am Mittwoch (18.04.2012) in Hannover auf der Frühchen-Station des Kinderkrankenhauses auf der Neuen Bult mit der Hand seiner Tochter. Bei extrem kleinen Frühgeborenen hat der Bildungsgrad der Eltern einen gr
„Vor 20 Jahren war die Station deutlich kleiner und wir hatten mehr Personal“ sagte Alice Hüting.
© picture alliance / dpa, Holger Hollemann

Seit 20 Jahren arbeitet Alice Hüting auf der Kinderstation im Lukaskrankenhaus in Neuss. In den letzten Jahren sei es dort immer schwieriger geworden: "Vor 20 Jahren war die Station deutlich kleiner und wir hatten mehr Personal" sagte sie. Alice und ihre Kollegen behandeln zum Teil bis zu zehn kleine Patienten in einer Stunde "Nachts ist es auch nicht entspannter, wir haben auch viele Säuglinge und die sind nachts wach. Ich habe für 42 Betten in der Regel zwei Nachtwachen" berichtete Hüting.

Mehr Geld und bessere Arbeitszeiten

Jobs in der Pflege werden in Deutschland immer unbeliebter, Krankenhäuser suchen händeringend nach Personal. Um den Pflegenotstand zu bekämpfen gäbe es laut Hüting nur eine Lösung: "Die Arbeitsbedingungen müssten dahingehend besser werden, dass wir einfach besser bezahlt werden und bessere Arbeitszeiten haben müssten" fordert die Krankenschwester.

„Wir können nicht eine Schwester 20 kranke Kinder betreuen lassen“

Auch der Chefarzt der Kinderstation im Lukaskrankenhaus Neuss, Guido Engelmann, beklagt den akuten Personalmangel. "Wenn nicht genug Schwestern da sind, müssen Betten auf der Intensivstation geschlossen werden. Todkranke Kinder müssen dann durch das Land gefahren werden, um ein Bett zu finden", so der Chefarzt. Für ihn sei besonders die Politik dafür verantwortlich, die Situation der Pfleger zu verbessern. Es sei wichtig, die besonderen Bedürfnisse der kleinen Patienten nicht zu vernachlässigen. "Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass Herr Spahn nicht vergisst, dass die Patienten, die in Kinderkrankenhäusern liegen, vielleicht nicht unbedingt die teuerste Technik brauchen, sondern menschliche Zuwendung. Das muss in irgendeiner Form bezahlt werden", sagt er.