Pflegenotstand auf Kinder-Intensivstation: Eltern klagen an

25. Oktober 2018 - 19:05 Uhr

Bereits 300 schwer kranke Kinder abgelehnt

Versorgungskrise an der Medizinischen Hochschule Hannover: Auf Deutschlands größter Kinder-Intensivstation können todkranke kleine Patienten nicht mehr richtig betreut werden – weil es an Pflegepersonal mangelt. Rund 300 Kinder musste die Intensivstation in diesem Jahr bereits ablehnen. Jetzt fordern Pflegerinnen, Ärzte und vor allem Eltern: Tut etwas gegen diesen schlimmen Zustand!

Schwere Entscheidungen sind an der Tagesordnung

Noah Hoffmann liegt in seinem Krankenbettchen, an seinem kleinen Körper sind unzählige Kabel und Schläuche befestigt. Der Junge wurde erst gestern am Herzen operiert – und muss trotzdem jetzt schon die Intensivstation verlassen. Denn sein Platz wird für ein anderes Baby gebraucht, dessen Zustand akut lebensbedrohlich ist.

Entscheidungen wie diese sind an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) längst Alltag – und bei weitem nicht die schwersten. Allzu oft bleibt dem Personal nichts anderes übrig, als die noch so jungen Patienten abzulehnen, selbst wenn dies ein hohes Risiko für ihr Leben bedeutet. Die Technik ist da, die Ärzte sind da – doch auf der Station fehlen Pfleger.

Seelische Belastung ist riesig

Für die betroffenen Eltern ist das kaum zu ertragen. "Es sterben Kinder, weil sie keinen Platz auf der Intensivstation bekommen. Das kann es nicht geben. Wir sind hier in Deutschland, nicht in Ländern, wo Krieg herrscht", klagt die Mutter des 14-jährigen Lars, der gerade eine Darm-Operation hinter sich hat.

Auch die wenigen Pflegekräfte, die sich pausenlos bemühen, ihre Patienten adäquat zu betreuen, kommen körperlich und seelisch an ihre Grenzen. "Der Tod sitzt einem hier ständig im Nacken", erzählt uns eine der Krankenschwestern, die in einer Schicht für bis zu drei Patienten verantwortlich sind - ideal wäre ein einziges. "Man wird den Patienten überhaupt nicht gerecht".

Auch in anderen Krankenhäusern herrscht ein akuter Pflegenotstand. Doch - wie anderswo - die Mitarbeiter teilweise bis zu fünf Patienten gleichzeitig betreuen zu lassen, kommt für die MHH nicht in Frage, wie der leitende Oberarzt Dr. Sasse erklärt: "Das können wir uns bei diesen schwer kranken Kindern überhaupt nicht leisten". Welchen enormen Belastungen Kinder, Pfleger und Eltern aufgrund dieser Situation ausgesetzt sind, sehen Sie im Video.