Pflegebericht: 140.000 alte Menschen an Bett und Rollstuhl gefesselt

Qualitätsbericht zur Pflege: Rund 140.000 Menschen werden mit Gittern oder Gurten im Bett oder Rollstuhl festgehalten.
© dpa, Christian Charisius

29. Juni 2012 - 19:29 Uhr

Freiheit vieler alter Menschen eingeschränkt

Der Qualitätsbericht zur Pflege in Deutschland offenbart erschreckende Zahlen: Hunderttausende Bewohner von Pflegeheimen werden nicht ausreichend gepflegt. Rund 140.000 Menschen werden mit Gittern oder Gurten im Bett oder Rollstuhl festgehalten. Bei 14.000 von ihnen fehlt die dafür vorgeschriebene richterliche Anordnung.

Das geht aus dem aktuellen Qualitätsberichts der Krankenkassen hervor. Kassenverbands-Vorstand Gernot Kiefer wandte sich gegen die vielen Freiheitseinschränkungen und forderte, diese deutlich zu reduzieren. Er mahnte, in jedem Fall den Rechtsweg einzuhalten.

"Zu viele ruhigstellende Mittel"

Zwar hat sich in der Zeit seit dem letzten Bericht aus dem Jahr 2007 einiges verbessert, dennoch fordert der Medizinische Dienst der Kassen weitere deutliche Fortschritte in den Heimen. "Die Qualität der Pflege in Deutschland ist überwiegend gut", sagt Geschäftsführer Peter Pick. "Jedoch wird in zentralen Versorgungsbereichen - Beispiel Ernährung, Dekubitus (Wundliegen) - eine relevante Gruppe von 20 bis 40 Prozent der Pflegebedürftigen nicht entsprechend den anerkannten Standards einer guten Pflege gepflegt."

Fast die Hälfte (47 Prozent) der 700.000 Heimbewohner ein erhöhtes Risiko, sich wund zu liegen. Bei vielen dieser Fälle seien Versäumnisse beim Schutz davor festgestellt worden.

Viele Menschen bekämen Pillen zum Ruhigstellen: "Es ist in der Tat so, dass zu viele ruhigstellende Mittel in Pflegeeinrichtungen verordnen werden", sagte Pick. Insgesamt sind 61 Prozent der Heimbewohner wegen Demenz oder ähnlicher Leiden eingeschränkt handlungsfähig.