Pflegebeiträge sollen steigen! Ab 2019 müssen wir tiefer in die Tasche greifen

10. Oktober 2018 - 21:19 Uhr

Pflege: Bundesregierung will 7,6 Milliarden mehr einnehmen

Die Beiträge zur Pflegeversicherung sollen ab Januar steigen – und zwar um 0,5 Prozent. Das hat das Bundeskabinett beschlossen. Wieso die Erhöhung gerade jetzt kommt, erklärt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Video. 

Immer mehr Menschen sind auf die Altenpflege angewiesen

Dass die Beiträge zur Pflegeversicherung erhöht werden, ist keine große Überraschung. Denn die Zahl pflegebedürftiger Menschen hierzulande steigt, weil unsere Gesellschaft immer älter wird. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft soll ihre Zahl bis 2035 auf vier Millionen Menschen ansteigen, aktuell sind drei Millionen auf Pflege angewiesen.

Zudem hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mehrfach angekündigt, etwas gegen den akuten Fachkräftemangel zu unternehmen. Durch die Erhöhung will er den Beruf aufwerten und neue Stellen schaffen. Und das kostet.

Deshalb hat die Bundesregierung jetzt eine Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung beschlossen: Ab dem kommenden Jahr sollen Arbeitnehmer demnach 3,05 Prozent ihres Bruttoeinkommens für die Pflege zahlen. Kinderlose sogar 3,3 Prozent.

Bei einem Einkommen von 2.000 € monatlich wären das 120 Euro mehr im Jahr. Arbeitnehmer zahlen davon 60 Euro. Die andere Hälfte tragen die Arbeitgeber. Weil aber gleichzeitig die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um 0,5 Prozent sinken, bleibt die Gesamtbelastung in etwa gleich. 

Spahn: "Gute Pflege braucht unsere Unterstützung“

Insgesamt soll die Beitragserhöhung der Pflegeversicherung zusätzliche Einnahmen von 7,6 Milliarden Euro pro Jahr einbringen. Dies soll nach dem Willen des Gesundheitsministeriums sicherstellen, dass der Beitrag möglichst bis 2022 stabil bleiben kann. Der Bundestag muss der Erhöhung aber noch zustimmen.

Der Sozialverband VdK hält die Pläne allerdings für unzureichend. Weder die Mehreinnahmen, noch die zusätzlichen 13.000 Jobs würden genügen. Zudem warnt der Verband: Verbesserungen in der Pflege dürfen nicht zu Lasten der Bedürftigen und ihren Familien gehen. "Pflegedürftigkeit ist zunehmend ein Armutsrisiko geworden", erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele. Sie sprach sich dafür aus, Leistungen für pflegende Angehörige oder die Investitionskosten bei stationärer Pflege aus Steuermitteln zu finanzieren.

Auch die Arbeitgeber warnten vor steigenden Belastungen durch die Sozialbeiträge. "Ich appelliere an die Bundesregierung, die langfristige Finanzierbarkeit der Sozialsysteme zu sichern", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.