Pferdefleisch-Skandal: Deutsche Lieferanten im Visier

Kam die Ware aus Deutschland?

Während die Meldungen über undeklariertes Pferdefleisch in Fertigprodukten nicht abreißen, geraten immer mehr deutsche Lieferanten ins Visier. Indes wollen Bund und Länder mit zusätzlichen Tests, höheren Strafen bei Etikettenschwindel und Herkunftszeichnungen gegen den Fleisch-Skandal vorgehen und ihm künftig vorbeugen.

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Die Liste der Fertiggerichte, in denen Spuren von Pferdefleisch entdeckt wurden, wird immer länger.
dpa, Facundo Arrizabalaga

Neuesten Erkenntnissen zufolge führt eine neue Spur nach Deutschland: Der Liechtensteiner Partner der Supermarktkette Lidl, die Firma Hilcona, erklärte, die Rohware für das Produkt 'Combino Tortelloni Rindfleisch' sei vom Lieferanten Vossko aus dem Münsterland gekommen. Es enthalte undeklariertes Pferdefleisch.

Nach Aldi Süd hat inzwischen auch Aldi Nord Pferdefleisch in Fertiggerichten gefunden. In Penne und Gulasch seien Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen worden, teilte Aldi Nord mit. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax aus Brandenburg sei nur in den Aldi-Nord-Regionalgesellschaften Meitzendorf (Raum Magdeburg), Mittenwalde (Raum Süd-Ost-Berlin, Süd-Ost-Brandenburg) und Hoyerswerda (Raum Süd-Ost-Brandenburg, Nord- und Ost-Sachsen) vertrieben worden. Die Tiefkühl-Penne Bolognese eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden, teilte das Unternehmen mit. Aktuell bestünden keine Hinweise auf ein gesundheitliches Risiko. Die Lieferanten hätten gebeten, die Artikel vorsorglich aus dem Verkauf zu nehmen.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Skandal um falsch deklariertes Fleisch auch die Döner-Buden Deutschlands erreicht hat. Das RTL-Magazin EXTRA hatte Stichproben von Dönerspießen in 20 Imbiss-Läden in Leipzig und Berlin genommen. Das beunruhigende Ergebnis: In einer Probe fand sich ein Anteil von knapp einem Prozent Pferdefleisch. Darüber hinaus hätten drei weitere Proben bis zu sieben Prozent Schweinefleisch enthalten, das Muslime nicht verzehren. EXTRA hatte für den Test das renommierte Institut für Produktqualität ifp beauftragt, DNA-Analysen von den Proben vorzunehmen.

Aktionsplan gegen Fleisch-Skandal

Indes wollen die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern Lebensmittelhersteller härter bestrafen, die bei den Zutaten ihrer Produkte betrügen. Strafen und Bußgelder sollten überprüft werden, kündigte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) nach einem Treffen mit ihren Ressortkollegen aus den Ländern zu den Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal an. Zudem sollten die Gewinne, die durch die falschen Inhaltsangaben erzielt würden, abgeschöpft werden können. Über die Ausmaße des Skandals konnte Aigner keine Angaben machen. "Wir rechnen damit, dass jetzt noch mehr Fälle aufgedeckt werden", sagte die CSU-Politikerin.

Die Ministerrunde billigte weitgehend einen von Aigner vorgestellten 'Nationalen Aktionsplan', ergänzt um die Überprüfung von Sanktionen gegen Lebensmittelpanscher. Demnach sollen in Deutschland Lebensmittel auf mehr unzulässige Inhalte überprüft werden, als von der EU geplant. So solle auch untersucht werden, ob Lebensmittel wie etwa Döner Schweinefleisch enthielten. Dies ist für Muslime aus religiösen Gründen inakzeptabel.

Nach Ansicht der Verbraucherorganisation foodwatch stellen die Maßnahmen, die Ministerin Aigner als Beratungsgrundlage vorgelegt hatte, folgenlose Ankündigungspolitik dar. Aigner täusche die Verbraucher mit ihrem Aktionsplan. "Frau Aigner schont die eigentlich Verantwortlichen und täuscht mit Scheinmaßnahmen darüber hinweg, dass sie die entscheidenden Schwachstellen nicht beseitigen will", kritisierte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender foodwatch-Geschäftsführer.