Rapper ist ein berühmter Sohn der Stadt

Petition in Offenbach fordert: Haftbefehl-Straße statt Bismarckstraße

Haftbefehl-Straße statt Bismarckstraße?
© openpetition, Collage Felix Sauer: Azzlackz2015, Wikimedia

26. Juni 2020 - 15:14 Uhr

Offenbach: Namensänderung soll "Kriegstreiber" aus Straßenbild löschen

Die Black-Lives-Matter-Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt haben weltweit Anteilnahme erfahren: Auf Demonstrationen folgte vielerorts die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte – reihenweise stürzten in den USA Statuen. Aber auch in Deutschland tut sich was: In Offenbach wendet sich eine Petition gegen einen Straßennamen. Aus der Bismarckstraße soll in der hessischen Heimat von Rapper Haftbefehl – ja, genau: die Haftbefehl-Straße werden. Oder auch gerne was anderes, wie der Gründer der Petition freimütig zugibt, aber mit diesem Vorschlag kriegt man Aufmerksamkeit. Denn – wie Haftbefehl rappt: "Chabos wissen, wer der Babo ist".

Oberbürgermeister von Offenbach "kein Bismarck-Fan"

Aus dem Rathaus kommt für den ungewöhnlichen Vorschlag durchaus Verständnis: Er sei "kein Bismarck-Fan", erkenne die Leistungen des früheren Reichskanzlers aber an, sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) der "Frankfurter Rundschau". Für die Umbenennung der Straße brauche es einen "breiten Konsens" und zuvor die Einschätzung einer historischen Kommission.

Der Ersteller der Petition, Felix Sauer, erklärt zu seiner Ablehnung des Namens Bismarckstraße: "Otto von Bismarck hingegen hat mit der von ihm 1884/1885 in Berlin organisierten Kongokonferenz die Kolonisierung Afrikas organisiert und ist damit für das Leid und die Ermordung von Millionen von Menschen (mit)verantwortlich." Auch außerhalb dieser Konferenz sei er ein Kriegstreiber gewesen, so der Petitionsgründer. Sein Anliegen hat seit dem 14. Juni über 1.100 Unterstützer gefunden.

Würde sich Haftbefehl über eine eigene Straße in "069" Offenbach freuen?

Mit "Ich nehm dir alles weg" hätte Haftbefehl schon den passenden Song für die Umbenennung der Straße am Start. Doch der Rapper, der Anfang des Monats nach mehrjähriger Schaffenspause ein neues Album veröffentlichte, äußert sich zur Petition nicht. Er gebe aktuell keine Interviews, hieß es auf RTL-Anfrage.

Doch egal, ob Haftbefehl kein Straßen-Babo sein will oder sich für "seine" Straße keine Mehrheit findet, die Petition bietet bereits einen weiteren Namensvorschlag: Erwin Kostedde, der erste deutsche Fußball-Nationalspieler mit afroamerikanischen Wurzeln, könnte Namenspate werden. Zum Zeitpunkt seines Nationalmannschaftsdebüts spielte er für die Kickers aus Offenbach. Petitionssteller Felix Sauer ist über den Gangsterrapper Aykut Anhan – dessen Künstlername auf einen Haftbefehl aus dem Jahr 2006 zurückgeht –  und die OFC-Legende hinaus auch für weitere Vorschläge offen. Er wünscht sich eine demokratisch beschlossene Alternative für die Bismarckstraße.