RTL-Moderator Peter Kloeppel analysiert

Fünf Fragen und Antworten zu den TV-Debatten der US-Demokraten

© dpa, Michael Kappeler, mkx gfh kde

27. Juni 2019 - 13:38 Uhr

Von Peter Kloeppel

Heute und morgen Nacht treten in Miami 20 Männer und Frauen an, um einem Millionenpublikum klarzumachen, warum sie die richtigen Kandidaten sind, um US-Präsident Donald Trump bei der Wahl im November 2020 zu schlagen. Peter Kloeppel erklärt, worum es genau geht.

Die Präsidentschaftswahl in den USA findet am 03. November 2020 statt.
Die Präsidentschaftswahl in den USA findet am 03. November 2020 statt.
© dpa, John Raoux, JR

Wer sind die Kandidaten?

Insgesamt haben 24 Amerikaner öffentlich erklärt, dass sie als Vertreter der Demokratischen Partei Donald Trump herausfordern wollen. Aber nur 20 von ihnen - 14 Männer und sechs Frauen - wurden zu den beiden Debatten zugelassen. Jeweils zehn stehen an den beiden Abenden auf der Bühne. Die restlichen vier hatten bei Wahl-Umfragen im Vorfeld nicht genug Stimmen oder zu wenig finanzielle Unterstützung bekommen. Im Bewerberfeld finden sich altgediente Politiker wie der ehemalige Vize-Präsident Joe Biden (76) oder Bernie Sanders (77), Senator aus Vermont und bei der letzten Wahl der schärfste innerparteiliche Gegenkandidat von Hillary Clinton.

Aber auch als Politiker bisher nicht aufgefallene Namen sind dabei: Zum Beispiel der Unternehmer Andrew Yang oder die Autorin von Lebenshilfebüchern Marianne Williamson. Jüngster Kandidat ist mit 37 Jahren Pete Buttigieg - die Aussprache seines Namens (Bju-ti-dschidsch) fällt auch vielen Amerikanern nicht leicht.

Erster Showdown mit Joe Biden und Bernie Sanders.
Erster Showdown mit Joe Biden und Bernie Sanders.
© The Columbus Dispatch

Wo finden die Debatten statt?

Im architektonisch extravaganten Adrienne Arsht Center nahe der Innenstadt von Miami. Normalerweise werden dort Konzerte und Opern aufgeführt. Benannt wurde es übrigens nach der Unternehmerin und Kunstförderin Adrienne Arsht (77), die zum Bau des Gebäudes vor gut zehn Jahren 30 Millionen Dollar beisteuerte. Und im Gegenzug die Namensrechte bekam. Moderiert werden die Debatten von Journalisten des US-Fernsehsenders NBC - sie stellen Fragen und Nachfragen, achten auf die Zeit und sorgen dafür, dass möglichst viele Themenbereiche angesprochen werden.

Worum wird es vor allem gehen?

Da die beiden Debatten (Beginn: 21 Uhr Ortszeit, 3 Uhr morgens MESZ) nur jeweils zwei Stunden dauern, bleiben jedem Kandidaten maximal zehn Minuten, um für sich (kostenlos) Wahlwerbung zu machen. Insofern ist mit plakativen Aussagen zu rechnen und massiven Versuchen, aus der Menge herauszustechen. Die Demokraten in den USA sehen sich als Bewahrer und Förderer eines Sozialstaates, vergleichbar mit Deutschland - deshalb werden die Kandidaten klarmachen wollen, inwieweit vor allem die Mittelschicht in den USA von ihrer Politik profitieren würde. Zu rechnen ist aber auch mit Spitzen gegen die Mitbewerber, und mit Angriffen auf den Elefanten im Raum, Donald Trump. Schlussendlich ist er der Mann, mit dem sie bei der Wahl im Herbst kommenden Jahres in den Ring müssen. Und gegenüber seiner Politik von Nationalismus, Protektionismus und Abschottung müssen sie eine Alternative aufzeigen.

US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump.
© dpa, Alex Brandon, AB

Auf wen muss man besonders achten?

Die beiden Zehnergruppen wurden übrigens per Losentscheid zusammengestellt. Die zehn Kandidaten am ersten Abend gelten größtenteils als Underdogs. Deshalb haben dort vor allem die Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts und der bei jungen Wählern beliebte Beto O-Rourke aus Texas die besten Chancen, ihre Popularität auszubauen. Am zweiten Abend treffen dann nicht nur die beiden in Umfragen führenden Alpha-Politiker Joe Biden und Bernie Sanders aufeinander - mit ihnen auf der Bühne steht auch die hoch engagierte kalifornische Senatorin Kamala Harris und der jungdynamische Pete Buttigieg. Ein spannender Generationenkonflikt.

Und wie geht es dann weiter?

In diesem Sommer finden noch mehrere solcher TV-Debatten bei den Demokraten statt. Mit der Zeit wird sich das Feld der Bewerber lichten, denn Wahlkampf in den USA ist teuer, und großzügige Spender findet nur, wer in den Umfragen vorne liegt. Deshalb werden bei den ab Februar 2020 stattfindenden Vorwahlen der Demokraten wahrscheinlich maximal ein Dutzend Namen auf den Stimmzetteln stehen. Im Frühsommer 2020 wird - nachdem in allen Bundesstaaten Vorwahlen stattgefunden haben - endgültig feststehen, wer Donald Trump herausfordert. Die Präsidentschaftswahl findet wie immer am Dienstag nach dem ersten November-Wochenende statt: also am 03. November 2020.