Peruanischer Kleinbauer fordert: RWE soll für Klimaschäden zahlen

Der Peruaner Saúl Luciano Lliuya will sich und seine Heimatstadt schützen - und fordert von RWE Geld für Schutzmaßnahmen.

18. März 2015 - 13:29 Uhr

Andendorf droht Überflutung durch Gletscherschmelze

Das gab es in der Geschichte Europas noch nie: Ein massiv von den Folgen des Klimawandels betroffener Kleinbauer aus Peru fordert vom deutschen Energieriesen RWE Geld für Schutzmaßnahmen in seiner Heimatstadt, die infolge der globalen Erderwärmung von einer Flutkatastrophe bedroht ist. Laut der Entwicklungs- und Umweltorganisation 'Germanwatch' macht der Mann den Energiekonzern als einen der größten Treibhausgasemittenten in Europa direkt für die Klimaschäden verantwortlich – und das nicht ganz zu Unrecht: Glaubt man einer Untersuchung von 2014, so ist das Unternehmen für rund ein halbes Prozent aller weltweit seit Beginn der Industrialisierung freigesetzten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Die peruanische Andenstadt Huaraz zählt in der Agglomeration über 100.000 Einwohner und droht, wegen eines durch die Gletscherschmelze wachsenden Gebirgssees oberhalb der Stadt, allmählich überflutet zu werden. Die Finanzierung von dringend benötigten Schutzmaßnahmen kann sich das klamme Land jedoch nicht ohne weiteres leisten. Mithilfe der in der Auseinandersetzung um Klimaschäden erfahrenen Hamburger Rechtsanwältin Dr. Roda Verheyen und 'Germanwatch' fordert der peruanische Kleinbauer Saúl Luciano Lliuya nun von RWE, sich an der Finanzierung von Schutzmaßnahmen zu beteiligen. Sollte der Konzern keine finanzielle Unterstützung anbieten, will der Peruaner gegen RWE vor ein deutsches Gericht ziehen.

"Ein solcher Vorstoß ist in Europa bisher einmalig"

Der Gletschersee Palcacocha
Der Gletschersee Palcacocha: Von ihm geht die Gefahr für die Stadt Huaraz aus.

"Ein solcher Vorstoß ist in Europa bisher einmalig", sagt Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von 'Germanwatch'. Auch wenn ein solches Vorhaben als durchaus ambitioniert einzuschätzen ist, findet Bals verständnisvolle Worte für den Schritt des Peruaners: "Die schnell wachsenden Risiken durch die schmelzenden Gletscher in den Anden tragen eindeutig die Handschrift des Klimawandels. Saúl Luciano Lliuya findet sich nicht mit einer Opferrolle ab, sondern nimmt sein Schicksal in die Hand." Konkret fordert Lliuya, dass RWE gemäß seines Anteils an der Erderwärmung rund ein halbes Prozent der Kosten für die in Huaraz erforderlichen Schutzmaßnahmen – wie beispielsweise den Bau neuer Dämme übernehmen – soll. Umgerechnet wären dies rund 20.000 Euro.

Der Verein 'Germanwatch' erklärt seinen Einsatz für den peruanischen Kleinbauern folgendermaßen: "Wer andere schädigt, hat verschiedene Pflichten. Deshalb erwartet 'Germanwatch' zum einen von RWE, dass das Unternehmen ein neues Geschäftsmodell entwickelt, um nicht ständig weitere Schäden zu erzeugen. Zum anderen soll das Unternehmen seinen Beitrag für den Schutz der Betroffenen leisten." Marktwirtschaft könne ohne das Verursacherprinzip nicht funktionieren, so Bals. "Wer Risiken erzeugt, muss auch Verantwortung dafür übernehmen."

Insgesamt seien Einzelklagen von häufig sehr armen Betroffenen allerdings nicht die Lösung, so die Umweltorganisation. "Wir brauchen eine politische Lösung für diesen Skandal, die die Verursacher in die Pflicht nimmt. Das für Dezember geplante neue Klimaabkommen von Paris bietet die Gelegenheit, hier einen deutlichen Schritt weiter zu kommen", argumentiert Bals. Sollte der Peruaner mit seiner Forderung oder einer anschließenden Klage gegen RWE allerdings Erfolg haben, könnte dies trotzdem eine Flut von Folgeklagen auslösen.