RTL News>News>

Personalnot immer dramatischer: Müssen viele Kitas bald tageweise schließen?

Tausende Erzieher fehlen

Personalnot immer dramatischer: Müssen viele Kitas bald tageweise schließen?

Kita
Viele Kitas könnten bald wegen Personalmangel schließen.
deutsche presse agentur

Manche Kitas müssen schon Betreuungszeiten herunterfahren

In vielen Kitas fehlen Erzieherinnen und Erzieher. Mitunter ist die Not so groß, dass Einrichtungen die Betreuungszeiten herunterfahren oder tageweise schließen müssen – extrem schwierig für berufstätige Eltern. Im RTL-Interview erklärt die Geschäftsführerin der AWO Köln, Ulli Volland-Dörmann, was der Staat machen muss, damit sich was ändert.

Der Job Erzieher muss attraktiver werden

"Es fehlt an Auszubildenden", sagt Volland-Dörmann. Darum müsse der Beruf dringend attraktiver werden. "Erst in den vergangenen Jahren wurden die Ausbildungskapazitäten für Erzieher und Erzieherinnen hochgefahren", erklärt die AWO-Chefin. Vorher entstand eine riesige Lücke, die jetzt erst geschlossen werden muss.

"Reformbedarf besteht auch in der Finanzierung der Ausbildung", erklärt Volland-Dörmann. Es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Fachkräfte unterschiedlicher Qualifikation angemessen vergüten zu können.

Im schlimmsten Fall, wenn Stellen nicht besetzt werden können und zu wenige Erzieher da sind, müssen Kitas teilweise schließen. "Die jeweiligen Landesgesetze definieren, mit welcher Personalausstattung in den Kitas gearbeitet werden muss", erklärt Volland-Dörmann. Die Landesjugendämter würden kontrollieren, ob diese Vorgaben auch eingehalten werden.

"Wir bräuchten 100.000 Leute sofort, um vernünftig zu arbeiten"

Bundesweit haben Kindertagesstätten das gleiche Problem. "Die Lage ist dramatisch schlecht", sagt Hauptvorstandsmitglied Björn Köhler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Eigentlich bräuchten wir 100.000 Leute sofort, um vernünftig zu arbeiten."

"Ein großes Problem ist nach wie vor die Bezahlung", sagt Köhler. Eine Erzieherin durchlaufe in der Regel eine vier- bis fünfjährige unbezahlte Ausbildung. In der Vergangenheit mussten viele Auszubildende sogar Schulgeld bezahlen. "Das drückt aus, wie unsere Gesellschaft mit diesen Berufen lange Jahre umgegangen ist."

Großer Personalmangel in Kitas Diese Erzieherin kann nur Spanisch
01:11 min
Diese Erzieherin kann nur Spanisch
Großer Personalmangel in Kitas

30 weitere Videos

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Das will das Bundesfamilienministerium dagegen tun

Das Bundesfamilienministerium hat die Not erkannt und ein Förderprogramm angekündigt: Ministerin Franziska Giffey (SPD) will die Länder mit rund 300 Millionen Euro unterstützen, um mehr Kita-Fachkräfte zu gewinnen. "Vor allem in städtischen Ballungsräumen sind teilweise gravierende Engpässe zu verzeichnen", sagt eine Ministeriumssprecherin.

Höchste Zeit also, etwas zu tun: Das Bundesfamilienministerium will zu Beginn des Ausbildungsjahres 2019 darum eine "Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher" starten. Die Ausbildung soll dann für alle schulgeldfrei und vergütet ablaufen.

Außerdem will das Ministerium mehr Erzieher weiterbilden, die sich um die Nachwuchskollegen kümmern und sie anleiten sollen. Diejenigen, die zusätzliche Aufgaben erledigen oder mehr Verantwortung übernehmen, sollen auch mit einem entsprechenden "Aufstiegsbonus" belohnt werden.