Persönlicher Jahresrückblick einer Polizistin: "Viele Täter sehen wir sehr oft wieder"

30. Dezember 2016 - 20:08 Uhr

Kollegen resignieren, weil Staatsanwaltschaften und Gerichte überlastet sind

Das Jahr 2016 stellte die Polizei vor viele Herausforderungen. Im Gespräch mit RTL-Reportern blickt Christine Höxtermann, Polizeioberkommissarin aus Hamburg, auf den Alltag in ihrem Job. "Viele Täter sehen wir sehr oft wieder", erklärt sie als eines der großen Probleme.

"Man muss sich das so vorstellen: Wir haben am Samstag jemanden festgenommen, weil er einen Raub begangen hat", sagt Höxtermann. Am nächsten Wochenende träfe man denselben Täter oft in der gleichen Situation wieder. Als sie bei der Polizei anfing, sei das ihr Traumjob gewesen, doch der Alltag sei ernüchternd. Viele ihrer Kollegen resignieren angesichts der vielen Aufgaben und der geringen Konsequenzen, die ihre Festnahmen für die Straftäter haben.

Das Problem: Staatsanwaltschaften und Gerichte sind überlastet. Während die Zahl der Straftaten wie Einbrüche und Taschendiebstähle innerhalb eines Jahres um knapp zehn und sieben Prozent stiegen, wird nur ein Bruchteil der Täter später verurteilt.

Schnellere Abschiebungen und mehr Beamte gefordert

Fälle wie der des Marokkaners Adil B. rufen auch bei Höxtermann Hilflosigkeit hervor. Obwohl er nach einem Einbruch und Autodiebstahl festgenommen worden war, wurde er nicht abgeschoben, sondern nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Wenig später vergewaltigte er auf dem Hamburger Kiez eine junge Studentin. Die erfahrene Polizistin sagt: "Das kann man Opfern sehr schwer erklären, dass Derjenige immer noch bei uns ist."

Schnellere Abschiebungen werden daher gefordert. Die Polizeigewerkschaft verlangt außerdem mehr Beamte für die veränderten Aufgaben. 20.000 zusätzliche Stellen sind im Gespräch. Doch es vielerorts mangelt es an qualifizierten Bewerbern.

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