RTL News>Life>

Per Roboter die Schulbank drücken? Morbus-Crohn-Patient Lucas steht der Datenschutz im Weg

Per Roboter die Schulbank drücken? Morbus-Crohn-Patient Lucas steht der Datenschutz im Weg

Lucas Raase könnte per Roboter den Unterricht verfolgen.
Der an Morbus Crohn erkrankte Lucas Raase könnte den Unterricht von zuhause aus verfolgen: über einen im Klassenraum sitzenden Roboter.

Lucas Raase könnte per Roboter am Unterricht teilnehmen

Kopfschmerzen, Durchfall, Schnupfen, Konzentrationsschwächen – Lucas Raase aus Gramzow in der Uckermark ist chronisch krank. Er leidet unter Morbus Crohn , einer entzündlichen Darmerkrankung. Aber nicht nur die Beschwerden machen Lucas zu schaffen: Der Neuntklässler fehlt so oft im Unterricht, dass seine Versetzung gefährdet ist. Die Lösung könnte ein Roboter sein, der in Skandinavien schon lange eingesetzt wird. Aber es gibt Probleme mit dem Datenschutz.

Darmerkrankung Morbus Crohn tritt in Schüben auf

Nächtelang sitzt Lucas Raase auf der Toilette, berichtet 'MOZ.de'. An einen Schulbesuch ist da nicht zu denken, aber Lucas will unbedingt in seiner neunten Klasse des Scherpf-Gymnasiums in Prenzlau bleiben, fühlt sich dort wohl. Seit früher Kindheit kämpft er gegen Morbus Crohn – eine seltene Krankheit, die meistens im Jugendalter auftritt. Weil die Krankheit in Schüben auftritt, fehlt Lucas oft für längere Zeit im Unterricht. Auch wenn seine Schule alles tut, um Lucas zu helfen: Der für ihn eingerichtete Förderunterricht kann nur einen Teil der Fächer abdecken, ein Extra-Lehrer für "Hausbesuche" kann nicht gestellt werden.

Jetzt hat Steffen Raase endlich etwas entdeckt, das seinem Sohn Lucas helfen könnte: einen Unterrichtsroboter des norwegischen Unternehmens 'No Isolation'. In Skandinavien hilft der 'AV 1' schon seit einiger Zeit Schülern, die nicht im Klassenraum sitzen können. Der Roboter steht auf der Schulbank und verfolgt per Kamera und Mikrofon den Unterricht. Weil sich sein Kopf drehen lässt, kann Lucas das gesamte Geschehen im Klassenzimmer auf seinem Tablet zuhause verfolgen. Der Roboter leuchtet, wenn Lucas sich meldet; seine Mitschüler hören, was er sagt.

Datenschutz-Problem: Alle Eltern müssen einverstanden sein

Am Geld scheitert die Hilfe für Lucas Raase nicht: Der Landkreis Uckermark müsste für die Datenleitung im ersten Jahr 300 Euro pro Monat bezahlen, danach 120 Euro – machbar. Einen Strich durch die Rechnung machen könnte dem sinnvollen Projekt jedoch der deutsche Datenschutz. Denn alle Eltern aus Lucas' Klasse müssen sich mit den Bild- und Tonaufnahmen einverstanden erklären. "Wir können ja den Eltern nicht mal böse sein, wenn sie gegen die Live-Schaltung sind", sagt Lucas' Mutter Stefanie Raase. Deshalb plädiert sie dafür, die Regeln für den Datenschutz zu überdenken. "Wenn wir über eine Vereinbarung absichern, dass keine Aufzeichnungen in Bild und Ton stattfinden, dann sollte doch der bürokratische Aufwand erleichtert werden. Warum geht das denn in anderen Ländern?“

Steffen Raase denkt beim "Projekt Unterrichtsroboter" auch an andere erkrankte Kinder: "Wir setzen uns dafür ein, dass so etwas nicht nur für Lucas möglich wird, sondern dass es Standard wird für alle Schulkinder nach einer solchen Diagnose." Denn er weiß, dass für Lucas das angestrebte Abi in weite Ferne rückt, wenn er am Unterricht nicht per Roboter teilnehmen darf.