Aus Protest gegen die Wohnungsnot

"Penthaus à la Parasit": Student Jakob Wirth lebt illegal auf den Dächern Berlins

"Penthaus à la Parasit": Soziologiestudent Jakob Wirth protestiert gegen die Wohnungsnot in der Hauptstadt.
© dpa, Christoph Soeder, soed soe

14. Oktober 2019 - 17:32 Uhr

Kunst-Protestaktion: Im verspiegelten Holzhäuschen gegen den Berliner Mietenwahnsinn

3,6 Quadratmeter groß – das ist das Reich von Jakob Wirth. Hier, in einer Holzhütte, mit Spiegelfolie verkleidet, schläft er, kocht er, lebt er. Hoch oben auf den Dächern von Berlin, seit Frühjahr 2019. Natürlich ist das illegal, die Gebäude-Eigentümer hat der Kunst-Student nie gefragt. Deshalb zieht Jakob mit seinem Wander-Häuschen regelmäßig um – immer weiter, von Dach zu Dach. Je nachdem, wie schnell die Besitzer ihm auf die Schliche kommen.

"Penthaus à la Parasit": Jakob Wirth zieht von Dach zu Dach

Ein stolzer "Sozialschmarotzer" in seinem "Penthaus à la Parasit" – ja, so schreibt Jakob sein Haus wirklich – immer auf wechselnden "Wirten". Ein bescheidenes Leben: Fenster, Tür, Schreibtisch, Küche, Hochmatratze. Alles liebevoll in Handarbeit geschreinert, von ihm und einem Künstler-Kollegen, der lieber anonym bleiben möchte. "Aneignung von oben" nennen die beiden ihr Projekt – kreativer Protest soll das sein, ein Aufbegehren gegen die Wohnungsnot in der Hauptstadt. Strafrechtliche Konsequenzen hat die Aktion für Jakob Wirth und seinen Mitstreiter bislang nicht gehabt.

Der Clou: "Durch das modulare Bausystem ist unser Haus sehr flexibel", sagte der 27-Jährige. Soll heißen: Jedes Teil für sich ist klein genug, um durch jedes Fenster und jede Luke zu passen – und damit auf jedes Dach. Denn zusammengebaut wird das Mini-Penthäuschen jedes Mal aufs Neue erst oben in der Skyline. Das Ganze dauert etwa drei Stunden – schnell muss es gehen und möglichst unauffällig. "So können wir uns wie ein Parasit an unterschiedliche Wirte, die Hausdächer, andocken", meint Jakob.

Berlin: Penthouse-Protest will zu Veränderung inspirieren

Jakob Wirth (27) in seiner Holzhütte auf den Dächern Berlins: Das "Penthaus à la Parasit" muss sich schnell auf- und wieder abbauen lassen.
Fenster, Tür, Schreibtisch, Küche, Hochmatratze – das parasitäre Penthaus muss sich schnell auf- und wieder abbauen lassen.
© dpa, Christoph Soeder, soed soe

Zuletzt war die Hütte auf einem Dach nahe dem Alexanderplatz installiert, um "das Wohnraumthema in zentralster Lage anzusprechen". Als der Besitzer ihn nach wenigen Tagen entdeckte, baute Jakob das Häuschen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wieder ab, bevor ihm eine Abrissfirma zuvorkommen konnte. Strategischer Rückzug, Wirth macht sich auf zum nächsten Wirt.

Klar, das Penthaus sei ein Kunstprojekt und keine reale Lösung für das Berliner Wohnraumproblem, betont er. Das sei ihm bewusst. Trotzdem solle die Aktion inspirieren: "Nicht auf Veränderungen warten, sondern selbst verändern." Das sei das Motto.

Das 500 Kilogramm schwere Häuschen hat unter anderem schon im Bezirk Neukölln und in Bernau bei Berlin gestanden. Wo es als nächstes auftauchen wird, bleibt eine Überraschung. Auf der offiziellen Facebook-Seite der Kunstaktion aber informiert Jakob regelmäßig über den aktuellen Standort des Parasiten-Penthauses – und nimmt Tipps entgegen, wo es sich als nächstes einnisten soll.