Rocker-Prozess von Hamburg

Hamburger Hells-Angels-Boss im Bentley angeschossen: Prozess startet nach peinlicher Panne neu

06. Februar 2020 - 15:42 Uhr

Peinliche Gerichtspanne hebt erstes Urteil auf

Es ist einer der spektakulärsten Hamburger Kriminalfälle der letzten Jahre: Auf den Rocker-Boss Dariusch F. wurden am 26. August 2018 fünf Schüsse abgegeben, als er mit seinem Auto an einer Ampel hielt. Seitdem ist der damals 38-Jährige querschnittsgelähmt. Im vergangenen Jahr verurteilte das Hamburger Landgericht den Ex-Rocker Arasch R. und dessen Freundin Lisa S. zu langen Haftstrafen. Dem bekennenden Feind des Angeschossenen wurde unter anderem Anstiftung zu versuchtem Mord vorgeworfen. Doch das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Kammer hat das schriftliche Urteil einen Tag zu spät beim Bundesgerichtshof eingereicht - ein peinlicher Formfehler! Jetzt muss Verfahren erneut aufgerollt werden.

Hochspannung auch beim zweiten Anlauf

Das Hamburger Landgericht muss sich erneut mit dem versuchten Mord beschäftigen. Am 6. Februar wurde zunächst nur die Anklage verlesen. Doch angekündigt wurde auch, dass sich in der nächsten Woche der mutmaßliche Schütze mündlich auf die Anklage einlassen möchte. Der ebenfalls angeklagte Vater des Ex-Rockers Arasch R. will schriftlich Stellung nehmen.

Für den neuen Prozess hat das Gericht 14 Verhandlungstage bis zum 22. April angesetzt.

Die Hintergründe der Tat: Rache als Motiv?

Der angeklagte Arasch R. gehörte früher den mit den Hells Angels verfeindeten "Mongols" an. 2016 wurden er und seine Freundin Lisa S. überfallen. Ein bis heute unbekannter Schütze schoss mehrere Male auf das Paar. Beide wurden schwer verletzt. Verantwortlich soll Dariusch F. sein. Ist das Attentat auf den Rocker-Boss 2018 ein Racheakt?

Laut Anklage soll Arasch R. das Attentat gemeinsam mit seinem 73-jährigen Vater geplant haben. Er soll bereits vor den Schüssen Kontakt zu dem mutmaßlichen Schützen, dem Bulgaren Angel I., gehabt haben und mit ihm gemeinsam Ausschau nach dem Hells-Angels-Boss gehalten haben. Am Tattag soll Lisa S. mit Angel L. unterwegs gewesen sein. Sie entdeckten Dariusch F. in einem italienischen Restaurant und verfolgten den weißen Bentley des Rocker-Bosses bis zum Millerntorplatz. Dort fielen insgesamt fünf Schüsse aus dem Beifahrerfenster.