Peggy-Prozess in Bayreuth: Freispruch für Ulvi Kulac

14. Juli 2016 - 8:55 Uhr

Beifall aus dem Publikum

Der geistig behinderte Ulvi Kulac ist im erneuten Mordprozess um die seit 13 Jahren verschwundene Peggy freigesprochen worden. Das Landgericht Bayreuth hob eine frühere Verurteilung des 36-Jährigen wegen Mordes an dem Mädchen auf. Die Prozessbeobachter klatschten laut Beifall.

Fall Peggy, Ulvi
Susanne K., Peggys Mutter, neben ihrer Verteidigerin. Sie trat als Nebenklägerin in dem Prozess auf.
© dpa, David Ebener

Der Richter begründete das Urteil damit, dass ein Tatnachweis nicht erbracht sei. Der Angeklagte hat möglicherweise Parallelereignisse in sein Geständnis mit einfließen lassen. "Möglicherweise handelte es sich um vorhaltende Befragungen, die von dem Angeklagten dann in sein Geständnis mit aufgenommen wurde", so der Richter. Bei der testpsychologischen Untersuchung sei eine große Fantasiebegabung aufgefallen. Der Angeklagte könne sich gut Geschichten detailreich ausdenken und diese auch wiederholen. Peggys Mutter Susanne K. hat nun das Recht, binnen einer Woche Revision einzulegen.

Wiederaufnahmeverfahren ging um die Glaubhaftigkeit des Geständnisses

Nun hat das Landgericht Bayreuth ein neues psychiatrisches Gutachten angeordnet. Damit soll geklärt werden, ob Kulac aus der psychiatrischen Klinik entlassen wird, in der er wegen exhibitionistischer Handlungen untergebracht ist.

Gestern hatten sowohl Anklage als auch Verteidigung auf Freispruch des geistig Behinderten plädiert. Demnach soll Staatsanwältin Sandra Staade mit dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" (aus dem Lat. in dubio pro reo) argumentiert haben. Es gebe weder Leiche, noch Tatzeugen, noch Spuren oder einen Tatort. Theoretisch seien alle Szenarien möglich – vom Weglaufen des Kindes bis hin zu einem Kapitalverbrechen.

Die Verteidigung argumentierte unter anderem damit, dass das Geständnis nur auf einem Gedächtnisprotokoll basieren würde. Kulacs Anwalt sei nach der Vernehmung gegangen, kurz darauf habe er einen Anruf bekommen, dass sein Mandant gestanden habe. Zeit, ein Diktiergerät zu holen, sei da angeblich nicht mehr gewesen, so Michael Euler. "Das ganze hinterlässt einen sehr üblen Beigeschmack", so der Verteidiger in seinem Plädoyer.

Die Schülerin Peggy wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst, eine Leiche wurde nie gefunden. Als ihr Mörder wurde Ulvi Kulac im April 2004 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. In dem neuen Prozess ging es um die Frage, wie glaubhaft sein damaliges Geständnis war - es ähnelte der vermuteten Tatversion der Polizei auffällig. Das wurde aber erst später bekannt.

Ein Gutachter kam in dem neuen Prozess zu dem Ergebnis, Ulvi Kulac könne sich das Geständnis auch ausgedacht haben. "Ein mit hoher Wahrscheinlichkeit richtiges, aber nicht ausschließbar falsches Urteil kann nicht Grundlage für eine Verurteilung sein", betonte die Staatsanwältin.