2018 M07 22 - 20:51 Uhr

Heftigste Kritik an Grindel

Im dritten Teil seiner Stellungnahme hat Mesut Özil die Bombe platzen lassen. Der 29-Jährige trat mit sofortiger Wirkung aus der Nationalmannschaft zurück. "Angesichts der Vorkommnisse der vergangenen Monate werde ich schweren Herzens nicht mehr für Deutschland in internationalen Wettbewerben spielen", sagte der Weltmeister von 2014 auf Twitter. Er kritisierte "Rassismus und fehlenden Respekt".

Außerdem attackierte Özil Reinhard Grindel auf das Heftigste. Er bezeichnete den DFB-Präsidenten als inkompetent, unfähig und rassistisch.

"Nicht mehr als Sündenbock herhalten"

GRASSAU, GERMANY - JULY 21: Reinhard Grindel, head of the DFB during the awarding ceremony on July 21, 2018 in Grassau, Germany. (Photo by Jan Hetfleisch/Bongarts/Getty Images)
Reinhard Grindel stand im Zentrum der Kritik von Mesut Özil.
© Bongarts/Getty Images, Bongarts

In seiner Kritik nahm Özil kein Blatt vor den Mund. "Ich werde nicht mehr als Sündenbock für die Inkompetenz und Unfähigkeit von Reinhard Grindel, seinen Job vernünftig zu machen, herhalten. Ich weiß, dass er mich nach dem Foto mit Erdogan aus der Mannschaft raus haben wollte", wütete der ehemalige Nationalspieler.

"Er hat seine Ansichten unüberlegt und ohne Absprache via Twitter mitgeteilt, aber Joachim Löw und Oliver Bierhoff haben sich vor mich gestellt. In Grindels Augen und in denen seiner Anhänger bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ich bin Immigrant, wenn wir verlieren", so Özil weiter.

Rassismus und politische Interessen

Bundespräsident
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r), mit Ilkay Gündogan (l) und Mesut Özil im Schloss Bellevue.
© deutsche presse agentur

Der Mittelfeldspieler vom FC Arsenal warf dem Verbandschef vollkommenes Desinteresse an seinen Beweggründen für das Bild mit Erdogan vor und stellte Grindel im Zusammenhang mit der Visite gemeinsam mit Ilkay Gündogan bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin als karrieresüchtig dar. Bei einem Gespräch über das Foto wäre Grindel mehr an der Darstellung politischer Ansichten und "an der Herabsetzung meiner Meinung interessiert" gewesen, beschrieb Özil die damalige Situation.

Als Steinmeier nur mit Gündogan und ihm gesprochen hätte, wäre Grindel "verärgert" gewesen, dass ihm "nicht erlaubt wurde, dabei zu sein, um seine eigene politische Karriere zu forcieren", schrieb Özil. Ebenso hätte Grindel darauf reagiert, dass das Bundespräsidialamt eine mit den Spielern angestimmte Pressemitteilung über das Treffen verfasste und nicht der DFB-Stab die Führung in der Angelegenheit übernehmen konnte.

Vor dem Hintergrund einer Rede von Grindel als Bundestagsabgeordneter der CDU aus dem Jahr 2004 mit negativen Aussagen zur Multikulti-Gesellschaft und dem Islam wäre Grindels Verhalten in der Erdogan-Affäre "enttäuschend, aber nicht überraschend", schrieb Özil: Aber "wenn hochrangige DFB-Offizielle mich so behandeln, wie sie es getan haben, dann ist genug genug". Indirekt behauptete Özil, dass Grindel nicht zum DFB passen würde: "Leute mit rassendiskrimierendem Hintergrund sollten nicht im größten Fußball-Verband der Welt arbeiten dürfen, der viele Spieler mit zwei Heimatländern hat. Solche Einstellungen spiegeln einfach nicht die Spieler wider, die sie vorgeben zu vertreten."

Rundumschlag in drei Teilen

Zuvor hatte Özil in einem ersten Tweet bereits Stellung zu seinem Foto mit Erdogan bezogen und kein Fehlverhalten bei sich gesehen. Im zweiten Teil seines Rundumschlags rechnete Özil mit den Medien und Sponsoren ab.