Patt nach Wahl in Schweden: Rechtsruck schwächer als befürchtet - Regierungsbildung wird schwierig

10. September 2018 - 6:45 Uhr

Schweden-Wahl: Entscheidung erst am 24. September

Den Schweden drohen "deutsche Verhältnisse". Die Regierungsbildung könnte diesmal schwierig werden und sich wochenlang hinziehen – so wie die zähen Kaugummi-Verhandlungen in Berlin nach der jüngsten Bundestagswahl. Grund dafür ist der Wahl-Patt der beiden großen Blöcke in Schweden. Durch ihr starkes Ergebnis verhindern die rechtspopulistischen Schwedendemokraten jede stabile Regierungsmehrheit für das rot-grüne oder das liberal-konservative Lager.

Schwedens Sozialdemokraten siegen mit historisch schlechtem Ergebnis

09.09.2018, Schweden, Stockholm: Wähler und Wählerinnen geben im Wahllokal ihren Stimmen ab. Foto: Hanna Franzen/TT NEWS AGENCY/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Schweden hat gewählt, doch das Ergebnis ist nicht eindeutig.
© dpa, Hanna Franzen, PG wal nwi

Beobachter erwarten, dass die Regierungsbildung, die in Schweden normalerweise nach durchschnittlich sechs Tagen erledigt ist, Wochen dauern könnte. Am Montag legen die großen Parteien dafür in ersten Gesprächen die Grundsteine. Welche Partei den Auftrag zur Regierungsbildung bekommt, entscheiden Reichstag und Reichstagspräsident erst am 24. September. 

Die Sozialdemokraten hatten die Wahl am Sonntag mit 28,4 Prozent, dem schlechtesten Ergebnis seit mehr als 100 Jahren, gewonnen. Die zuvor ebenfalls hoch gehandelten Schwedendemokraten landeten mit 17,6 Prozent auf Platz drei hinter den konservativen Moderaten.

Dieses Ergebnis ist vorläufig, da unter anderem am Montag noch spät abgeschickte Briefwahlstimmen gezählt werden müssen. Rund 7,5 Millionen Schweden waren aufgerufen, über die Verteilung von 349 Sitzen im schwedischen Reichstag abstimmen.

Bleibt nur das Bündnis mit den ungeliebten Schwedendemokraten?

09.09.2018, Schweden, Stockholm: Unterstützer nehmen an der Wahlparty der Sozialdemokratischen Partei teil. Die Sozialdemokraten wurden bei der Parlamentswahl erneut stärkste Kraft, das rot-grüne Lager kommt laut einer ersten Prognose nach Schließung
Anhänger feiern den Sieg bei der Wahlparty der Sozialdemokratischen Partei in Stockholm.
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Die Verhandlungen werden deshalb so schwierig, weil keiner der traditionellen Blöcke allein regieren kann, bisher aber auch keine Partei ihr traditionelles Lager verlassen will. Es bliebe nur eine Zusammenarbeit mit den für ihre rechtsextremistischen Wurzeln und strenge Einwanderungspolitik kritisierten Schwedendemokraten, die die Parteien erst recht nicht wollen.

Der Spitzenkandidat der Schwedendemokraten, Jimmie Åkesson, betonte am Wahlabend, sie seien bereit, mit allen zu verhandeln. Vor allem sprach er den konservativen Spitzenkandidaten Ulf Kristersson an. Mehrere leitende Sozialdemokraten, darunter Regierungschef Stefan Löfven, forderten dagegen, das Blockdenken aufzugeben und die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit von rot-grünen und liberal-konservativen zu erkennen.