Patientinnen vergewaltigt: Ex-Chefarzt muss für fast acht Jahre in Haft

Urteil im Prozess gegen den ehemaligen Chefarzt
Urteil im Prozess gegen den ehemaligen Chefarzt
© dpa, Nicolas Armer, nar fgj

19. Oktober 2016 - 15:13 Uhr

Urteil für ehemaligen Chefarzt: Sieben Jahre und neun Monate Gefängnis

Er soll sechs Patientinnen mit Medikamenten ruhiggestellt und sich anschließend an ihnen vergangen haben. Nun wurde der frühere Chefarzt des Klinikums Bamberg wegen schwerer Vergewaltigung und weiterer Vergehen zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Bis zuletzt protestierte er, dass es sich nicht um sexuell motivierte Taten handelte – sondern medizinische

Die Verteidigung des früheren Chefarztes forderte einen Freispruch. Und falls der 51-jährige verurteilt werden sollte, höchstens eine Bewährungsstrafe. Stattdessen wurde ihr Mandant nun mit fast acht Jahren Haft bestraft. Außerdem darf der Arzt für fünf Jahre seinen Beruf nicht ausüben.

Der Mann stand seit April 2015 vor Gericht. Er soll zwischen 2008 und 2014 zwölf Frauen im Bamberger Klinikum missbraucht und teilweise mit Gegenständen oder einem Finger vergewaltigt zu haben. Zudem soll er die Patentochter seiner Frau heimlich gefilmt haben. Der frühere Chefarzt hatte zugegeben, die Bilder und Videos gemacht zu haben. Doch ein sexuelles Motiv hatte er zurückgewiesen: Es sei um die Erprobung neuer Behandlungsmethoden gegen Beckenvenenthrombosen gegangen.

Medizinstudentin brachte den Stein ins Rollen

Der angeklagte Mediziner Heinz W. (l) unterhält sich am 17.10.2016 im Gerichtssaal im Landgericht in Bamberg (Bayern) mit seiner Anwältin Katharina Rausch (2.v.l.). Im Prozess gegen einen ehemaligen Chefarzt, u.a. wegen sexuellen Missbrauchs, wird da
Eine Revision gilt als sehr wahrscheinlich
© dpa, Nicolas Armer, nar fgj

Eine Medizinstudentin hatte im Sommer vergangenen Jahres die Sache ins Rollen gebracht. Sie war misstrauisch geworden, nachdem sie vom Angeklagten in der Zeit ihres Praktikums zu einer Untersuchung gebeten wurde - es sollte um eine Studie über Krampfadern gehen. Bei der vermeintlichen Untersuchung bekam sie eine Spritze und verlor das Bewusstsein. Als sie daraufhin ihr Blut in einer anderen Klinik untersuchen ließ, stellte man fest, dass ihr ein starkes Beruhigungsmittel gespritzt worden war. Sie erstattete Anzeige. Die Ermittler fanden dann beim Angeklagten unzählige Fotos, die das Geschehen dokumentieren. Anderthalb Jahre nach Prozessbeginn später nun das Urteil: Haftstrafe.

Juristen bezweifeln allerdings, dass das Urteil Bestand haben wird. Eine Berufung ist nicht möglich – aber eine Revision. Das heißt: Wenn Staatsanwaltschaft oder Verteidigung mit dem Urteil nicht zufrieden sind, können sie dieses am Bundesgerichtshof auf materielle Fehler oder Verfahrensfehler hin prüfen lassen. Dies gilt als wahrscheinlich. Da dem Angeklagten bis dahin eine Flucht zugetraut wird, bleibt er bis zur möglichen Revision weiterhin in Haft.