Patientenverfügung: Das ist wichtig!

12. Juni 2012 - 19:54 Uhr

26-Jähriger tötet Mutter im Wachkoma - Urteil

Urteil in einem bewegenden Fall: Ein 26-Jähriger ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er seine seit sieben Jahren im Koma liegende Mutter getötet hat.

Patientenverfügung Sterbehilfe
Eine Patientenverfügung kann im Ernstfall den Willen des Patienten durchsetzen.
© dpa, Jens Büttner

Nach einem Reitunfall der Mutter im Jahr 2004 sei das Leben aller Beteiligten nie wieder wie zuvor geworden, sagte der Richter. Die 48-Jährige hatte schwere Hirnverletzungen erlitten, war nicht mehr ansprechbar und hatte zahlreiche Leiden.

Die Frau habe zwar vollständig ihr Bewusstsein verloren, und die Ärzte seien nicht mehr von einer Besserung ausgegangen. Dennoch hätte sie noch viele Jahre leben können. Als Alternative zur Tötung - der Angeklagte hatte eine Kanüle aus der Luftröhre seiner Mutter gezogen und sie erstickt - hätte der 26-Jährige einen Antrag auf einen neuen Betreuer seiner Mutter stellen und die Verlegung in ein anderes Heim fordern können. Mühsam und lang, aber vom Gesetz aus gutem Grund so vorgesehen, meinte der Richter.

"Das Gericht kann nachvollziehen, dass der Sohn glaubte, dass seine Mutter so nicht leben wollte", sagte er. Da keine Patientenverfügung vorliegt und auch die Befragung von Zeugen keinen verlässlichen Hinweis auf den Willen der Frau gaben, blieb unklar, was die 48-Jährige gewollt hätte. "Im Zweifel muss das Leben erhalten bleiben", betonte er. Das Leben sei das höchste Gut.

Wer in einer solchen Situation nicht möchte, dass ein anderer über die weitere Behandlung entscheidet, kann in einer Patientenverfügung festlegen, ob er bei einem konkret beschriebenen Krankheitszustand bestimmte medizinische Maßnahmen wünscht oder ob sie unterlassen werden sollen.