Party-Stimmung auf dem Flug von Mallorca nach Düsseldorf

Condor-Crew stimmt „We will fly you“ an

9. Dezember 2019 - 17:10 Uhr

Nach dem Notkredit sind Condor-Mitarbeiter sichtlich erleichtert

Die Pleite des britischen Reise-Giganten Thomas Cook hat Zehntausenden Menschen ihren Job gekostet und Hunderttausende Urlauber ins Chaos gestürzt. Auch die deutsche Tochterfirma Condor ist betroffen. Doch die Airline wird durch einen 380-Millionen-Kredit der Bundesregierung über Wasser gehalten. So konnten vorerst rund 4.900 Jobs gerettet und deutsche Urlauber nach Hause geflogen werden. Wie groß die Erleichterung bei den Betroffenen ist, zeigen wir im Video.

Party-Stimmung auf dem Condor-Flug von Mallorca nach Düsseldorf

Hintereinander gehen die Flugbegleiter durch den schmalen Gang im vollbesetzten Flieger nach Düsseldorf und trommeln mit Händen und Füßen den Takt des Queen-Klassikers  "We will Rock you" an. Einige  Passagiere feiern mit und klatschen in die Hände, andere filmen den Moment mit ihrem Smartphone, während der Pilot aus dem Cockpit mit schrägen Tönen "We will fly you" ("Wir werden euch fliegen") durch das Mikrofon singt. Die Erleichterung ist in der Luft zu spüren.

"Bleiben Sie uns auch in den nächsten 64 Jahren treu", schallt es aus den Lautsprechern. "Seit 25 Jahren bin ich in diesem Unternehmen und ich hab noch ein bisschen zu fliegen", sagt der Pilot kurz vor dem Start im spanischen Mallorca.

Urlauber zur Condor-Rettung: „Warum müssen wir immer für deren Mist zahlen“

Der Steuerzahler hat Condor am Dienstag unter die Flügel gegriffen. 380 Millionen Euro streckt die Allgemeinheit vor, damit sich die Fluggesellschaft vorübergehen über Wasser halten kann. Viele Urlauber sind froh, dass sie nun immerhin zurück in die Heimat fliegen können. Doch es gibt auch skeptische Stimmen, wie RTL-Reporter Ulrich Klose am Flughafen in Palma de Mallorca erfährt. "Warum müssen wir immer für deren Mist zahlen", sagt ein Tourist aus Deutschland. Eine Urlauberin fordert: "Es muss gewährleistet sein, dass der Kredit komplett zurückgezahlt wird."

Nach Ansicht von Börsenexpertin Sabrina Marggraf hätte der Staat nicht unbedingt eingreifen müssen. "Staatshilfe ist dann sinnvoll, wenn die Pleite eines Unternehmens das gesamte Wirtschaftssystem bedroht. Bei Condor würde das gegen Staatshilfe sprechen, weil die Airline nicht Systemrelevant ist", so Marggraf. Doch geht es aber auch um viele Arbeitsplätze und Wähler, die in den Urlaub fliegen wollen.

Nach Thomas-Cook-Pleite: Lufthansa könnten Kontrolle über Condor übernehmen

Am Donnerstag bekam der Ferienflieger den Sanierungsexperten Lucas Flöther an die Seite gestellt, mit dem Ziel, Investoren zu finden. Unterdessen ereilte Ryanair-Chef Michael O'Leary einem möglichen Einstieg beim Ferienflieger Condor eine Absage. Seine Firma habe kein Interesse daran, weitere Airlines zu kaufen, sagte der Chef von Europas größtem Billigflieger in Wien.

Er geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Lufthansa die Kontrolle bei Condor übernimmt. Falls die größte deutsche Fluggesellschaft aus Gründen des Kartellrechts Teile des Condor-Geschäfts abgeben müsse, könne er sich vorstellen, dass Ryanair solche Teile erwirbt. Ein Lufthansa-Sprecher wollte sich zu den Absichten seines Konzerns weiterhin nicht äußern.

dpa/mo