Parlamentswahlen in der Ukraine: Vitali Klitschko will Janukowitschs K.O.

10. Februar 2016 - 18:54 Uhr

Aggressiver Schlagabtausch im Parlament

Jahrelang hat er seine Gegner im Ring besiegt. Jetzt will Vitali Klischko der ukrainischen Regierung den K.O. verpassen. Bei den am Sonntag stattfindenden Parlamentswahlen tritt der 41-jährige Boxweltmeister als Spitzenkandidat seiner Partei UDAR an.

Vitali Klitschko
Bei den am Sonntag stattfindenden Parlamentswahlen tritt der 41-jährige Boxweltmeister als Spitzenkandidat seiner Partei UDAR an.
© dpa, epa Sergey Dolzhenko

Im Endspurt haben sich Regierung und Opposition einen aggressiven Schlagabtausch geliefert. In letzten Auftritten vor der Abstimmung sprachen sich beide Lager gegenseitig die Fähigkeit zum Regieren ab. Oppositionsführerin Julia Timoschenko darf wegen einer Haftstrafe nicht antreten.

Die regierende Partei der Regionen um Staatspräsident Viktor Janukowitsch beschimpfte ihre Gegner um Klitschko als "Chaostruppe". Das zweitgrößte Flächenland Europas sei "kein Boxring", sagte ein Parteisprecher. Klitschko rief den Anhängern seiner Partei Udar (Schlag) bei einem Treffen in Kiew zu: "Die Ukrainer haben Janukowitschs leere Versprechen satt."

Auch die Europäische Union beobachtet die Wahl in dem wichtigsten Transitland für russisches Gas nach Westen genau. Die Abstimmung gilt als Richtungswahl über den künftigen Kurs der Ex-Sowjetrepublik zwischen EU und Russland.

Janukowitsch liegt knapp vorn

Kurz vor dem Urnengang mobilisierten beide Seiten noch einmal ihre Wahlhelfer. Janukowitschs Partei der Regionen will auch mit Themen wie wirtschaftlicher Stabilität und mehr Kindergartenplätzen punkten. Bis 2015 will sie einen neuen Betonsarkophag um das 1986 havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl errichten. Auf Flugblättern preist die Partei der Regionen zudem die Fußball-Europameisterschaft im Juni in der Ukraine als Erfolg der Regierung. Nicht erwähnt wird, dass EU-Politiker das Turnier wegen Timoschenkos Haft boykottierten.

Timoschenkos Partei Vaterland wirft Janukowitsch in ihrer Wahlwerbung "Mafia-Methoden" vor. Korruption und Justizwillkür seien an der Tagesordnung, heißt es. Die Zentrale Wahlkommission in Kiew hatte der 51-Jährigen eine Kandidatur wegen ihrer siebenjährigen Haftstrafe untersagt. Die EU hatte wegen der als politisch motiviert kritisierten Haft ein Assoziierungsabkommen auf Eis gelegt.

Insgesamt 36,6 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, die 450 Mandate in der Obersten Rada neu zu vergeben. 21 Parteien treten an. Es gilt eine Fünf-Prozent-Klausel. Daneben bewerben sich rund 2.600 Direktkandidaten. Direkt nach der Abstimmung sollen erste Prognosen aufgrund von Nachwahlbefragungen veröffentlicht werden. Letzte Umfragen sahen die Regierungskoalition um Janukowitsch knapp vorne.