Parlamentswahlen in Großbritannien

Darf die Queen auch ihre Stimme abgeben?

Elisabeth II. aus dem Haus Windsor ist seit 1952 Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien.
Elisabeth II. aus dem Haus Windsor ist seit 1952 Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien.
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12. Dezember 2019 - 9:26 Uhr

Queen bleibt als Staatsoberhaupt politisch neutral

Die Briten wählen heute ein neues Parlament. Zwischen 8 Uhr und 23 Uhr (unserer Zeit) sind die Wahllokale geöffnet und alle Wahlberechtigten können ihre Stimme abgeben. Aber was ist eigentlich mit der Queen? Königin Elizabeth II. dürfte theoretisch auch wählen gehen, denn in Großbritannien gibt es kein Gesetz, das ihr die Stimmabgabe verbieten würde. Trotzdem wird die 93-Jährige heute nicht ins Wahllokal gehen.

Schicksalswahl für Großbritannien

Denn die Queen und ihre Familie gehen nie wählen und lassen sich auch nicht als Kandidaten aufstellen, obwohl sie das theoretisch dürften. In ihrer Rolle als Staatsoberhaupt muss die Monarchin politisch neutral bleiben. Denn Aufgabe der Monarchie in Großbritannien ist es, Kontinuität zu stiften und die Gesellschaft zu einen – das verträgt sich nicht mit Parteinahme. Übrigens hat die Königin auch keinen Pass. Da alle britischen Pässe im Namen Ihrer Majestät ausgestellt sind, braucht sie keinen.

Das Ergebnis der Wahl dürfte großen Einfluss auf den geplanten Brexit haben. Der aktuelle Premierminister Boris Johnson will Großbritannien am 31. Januar 2020 aus der EU führen. Dafür braucht er aber eine stabile Mehrheit. Ob er die auch bekommt, ist keinesfalls sicher. Die oppositionelle Labour-Partei konnte den Abstand auf die konservativen Tories in den vergangenen Tagen verringern.

Zwar sagen die Umfragen eine Mehrheit für die Konservativen voraus, aber es nicht ausgeschlossen, dass es zu einem "hung parliament" kommt. Damit ist eine Sitzverteilung gemeint, in der keine der beiden großen Parteien aus eigener Kraft eine Regierung bilden kann.

In vielen Wahlkreisen dürfte es knapp werden

Jeremy Corbyn, Vorsitzender der Labour Partei
Jeremy Corbyn, Vorsitzender der Labour Partei macht Wahlkampf in Großbritannien.
© dpa, Thanassis Stavrakis, VG pat

Für den Fall, dass die Labour-Partei den Premierminister stellt, will Labour-Chef Jeremy Corbyn innerhalb von drei Monaten einen neuen Brexit-Deal mit der EU aushandeln. Dann will er die Briten in einem neuen Referendum darüber abstimmen lassen, ob sie den Deal annehmen oder lieber in der EU bleiben wollen. Die Chancen, dass Labour bei der Wahl eine Mehrheit holt, stehen schlecht, darum müssten die Sozialdemokraten auf die Unterstützung der kleineren Parteien hoffen.

In vielen Wahlkreisen, vor allem in Mittel- und Nordengland, liefern sich die Konservativen und Labour ein enges Rennen. Das Ergebnis dort könnte entscheidend für das Wahlergebnis des ganzen Landes sein. Denn das britische Mehrheitswahlrecht kennt nur Direktmandate. Ins Parlament ziehen nur die Kandidaten mit den jeweils meisten Stimmen in einem der 650 Wahlkreise ein - egal wie knapp ihr Sieg war. Die Stimmen für unterlegene Kandidaten verfallen.