Tat wohl politisch motiviert

Hauptverdächtiger gesteht Messerangriff von Paris

Der 18-jährige Hauptverdächtige der Messerattacke von Paris hat Medienberichten zufolge ein Geständnis abgelegt.
Der 18-jährige Hauptverdächtige der Messerattacke von Paris hat Medienberichten zufolge ein Geständnis abgelegt.
© dpa, Alain Jocard, nwi

26. September 2020 - 17:42 Uhr

Mohammed-Karikaturen von "Charlie Hebdo" bei Geständnis erwähnt

Der 18-jährige Hauptverdächtige der Messerattacke von Paris hat Medienberichten zufolge ein Geständnis abgelegt. Dabei habe er auch die von dem Satiremagazin "Charlie Hebdo" veröffentlichten neuen Mohammed-Karikaturen erwähnt, berichteten französische Medien am Samstag unter Berufung auf Ermittler. Von der Staatsanwaltschaft gab es zunächst keine Bestätigung. Am Tag nach dem Angriff deutet vieles auf einen politisch motivierten Hintergrund hin.

Paris: Zwei Verletzte bei Messerangriff

Fleischerbeil liegt nach Messerattacke in Paris auf dem Boden.
Ein Fleischerbeil liegt nach der Messerattacke in Paris auf dem Boden.
© dpa, David Cohen, BC frd

Bei der Attacke in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" waren am Freitagmittag eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter einer Film-Produktionsfirma verletzt worden. Der Hauptverdächtige habe die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen nicht ertragen können, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Mutmaßlicher Komplize freigelassen

Justizkreisen zufolge wurde ein mutmaßlicher Komplize des Tatverdächtigen freigelassen. Eine andere Person aus dem Umfeld des Verdächtigen sei festgenommen worden, hieß es. Dabei handle es sich vermutlich um einen ehemaligen Zimmergenossen in einem Hotel nördlich von Paris. Am Samstagmorgen befanden sich noch sieben Menschen im Polizeigewahrsam, darunter der mutmaßliche Angreifer.

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17 Tote bei Terrorserie 2015

Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris
Bei einer Anschlagsserie wurden im Januar 2015 in Paris 17 Menschen getötet.
© Reuters, CHRISTIAN HARTMANN

In Paris läuft seit Anfang September der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015. Damals wurden 17 Menschen getötet. Alles hatte mit einer mörderischen Attacke auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" begonnen. Zu Beginn des Prozesses veröffentlichte das Magazin erneut Mohammed-Karikaturen. Die Redaktion, die inzwischen an einem geheim gehaltenen Ort arbeitet, wurde wieder bedroht.

Die Anti-Terror-Einheit der Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Innenminister Gérald Darmanin sprach am Freitagabend von einem "islamistischen Terrorakt". Der 18-Jährige war vor einigen Jahren als unbegleiteter Minderjähriger aus nach Frankreich gekommen. Berichten zufolge soll er in Pakistan geboren worden sein.

Weitere Details zu Angriff in Paris bekanntgegeben

Über die Tat im Osten der französischen Hauptstadt wurden unterdessen weitere Details bekannt. Die beiden Opfer seien im Gesicht schwer verletzt worden. "Der Angriff war unglaublich gewalttätig", sagte einer der Chefs der Produktionsfirma, Luc Hermann, dem Sender Franceinfo. "Es gab eine echte Bereitschaft zum Töten." Die beiden wurden am Freitag operiert. Inzwischen liegen sie in zwei verschiedenen Krankenhäusern.

Die Opfer hatten gerade eine Raucherpause gemacht, als der Angreifer sie attackierte. "Ich hörte Schreie. Zuerst dachte ich, es wäre ein Mädchen, das spielt", sagte ein Cutter namens Fabien der Zeitung "Le Parisien". Der Angreifer soll dann in die Metro geflüchtet sein. Kurz später wurde er ganz in der Nähe festgenommen, vor der Oper am Platz der Bastille. Ein zweiter Verdächtiger ist inzwischen wieder auf freien Fuß. Bei ihm soll sich um einen Zeugen handeln. Weitere Verdächtige sind noch in Polizeigewahrsam.

Besserer Schutz für andere symbolische Orte in Frankreich

Innenminister Darmanin kündigte an, andere symbolische Orte in Frankreich nun besser zu schützen. Dazu zählt der Konzertsaal Bataclan, der im Herbst 2015 ebenfalls Ziel eines Angriffs war. Die Pariser Polizei steht in der Kritik, weil es rund um die ehemaligen Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" keine besonderen Schutzmaßnahmen gab.